Schwalben im Kuhstall – ein Hygieneproblem?

Rauchschwalbennest – Urheber: regulus56 | Fotolia
Rauchschwalben

Es ist Mai – und die Schwalben sind wieder da! Sie verheißen den Sommer, kümmern sich um die lästigen Fliegen und vermitteln uns das gute Gefühl, dass wir uns auf manche Dinge einfach verlassen dürfen. Doch neuerdings kommt es immer mal wieder zu Verunsicherungen: Stellen Rauchschwalben im Kuhstall durch ihren Kot ein Hygienerisiko dar? Sollten Sie die Vögel deshalb aus Ihrem Stall verbannen?

In Bayern kam das Thema durch den Milchprüfring auf, der im Schwalbenkot ein großes Problem sieht, weil er ins Futter oder sogar in die Milch gelangen könnte. Die Empfehlung lautete: Nach dem Abflug der Schwalben die Nester entfernen und im nächsten Jahr das Einnisten der Vögel verhindern. In Niedersachsen waren es 2015 Veterinäre, die anordneten, die Schwalbennester aufgrund der Tierseuchenprävention aus den Ställen zu entfernen. Die anderen Bundesländer blieben bisher von dieser Aufregung eher verschont. Aber wer weiß schon, wo und von wem demnächst vermeintlich nötige Hygieneregeln blindlings als „vorrangig zu beachten“ deklariert werden? Hier lesen Sie, was Sie zum Thema Schwalben wissen sollten.

Die Schlussfolgerung der Veterinäre in Niedersachsen im Jahr 2015 und des Milchprüfrings Bayern im Jahr 2017 lautete: Schwalben im Kuhstall stellen ein Hygienerisiko dar, deshalb sollen Landwirte die Nester entfernen. Diese Anordnung bzw. Empfehlung sorgte bei Landwirten und anderen naturverbundenen Menschen für große Empörung. Völlig zu Recht, denn grundsätzlich gilt:

Mehl- und Rauchschwalben sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützte Arten. Das heißt, sie dürfen weder gestört, gefangen, getötet noch dürfen ihre Quartiere zerstört werden. Wer ein leeres Nest entfernt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Wer ein Nest mit Eiern oder Jungvögeln entfernt, begeht eine Straftat. Wer bei Baumaßnahmen auf Nester stößt, muss sich an die Untere Naturschutzbehörde wenden und mit ihr das weitere Vorgehen absprechen.

Außerdem stellen Schwalben für die Übertragung von Krankheiten ein viel kleineres Risiko dar als z. B. Tauben oder Spatzen. Und: Ein Schwalbenpärchen fängt für die Aufzucht einer Brut mit 4 bis 6 Jungvögeln gut 1 kg Insekten. Damit tragen Schwalben dazu bei, dass Insekten weniger Krankheiten (z. B. durch Salmonellen) verbreiten können.

Wann und warum dürfen Schwalben bleiben?

Im Jahr 2015 bat der damalige Agrarminister von Niedersachsen, Christian Meyer, das Landwirtschaftsministerium in Berlin um eine Einschätzung. Und schickte daraufhin ein Schreiben an die niedersächsischen Veterinärämter, dass die Verbreitung von Tierseuchen durch Schwalben als „vernachlässigbar“ angesehen werden kann. Der Milchprüfring Bayern ruderte durch die Aufregung letztes Jahr etwas zurück – und lieferte ein paar schriftliche Empfehlungen zum Umgang mit den Schwalben im Milchviehstall, die seitdem von den Außendienstmitarbeitern mit überprüft werden. Der Landesbund für Vogelschutz gab seinerseits praktische Hinweise, wie sich Schwalben und Hygiene im Kuhstall ohne großen Aufwand verbinden lassen.

Was sollte man bei Schwalben im Stall dringend beachten?

  1. Schwalbennester über dem Futtertisch bzw. in Futternähe sind ungünstig, da der Kot das Futter verschmutzen kann. Wenn sich dort bereits Nester befinden: Bringen Sie unterhalb des Nestes ein einfaches Holzbrett an, das den Kot auffängt.
  2. Schwalbennester in der Milchkammer sind ebenfalls ungünstig. Hier können Sie mit dem üblichen Insektenschutzvorrichtungen an den Türen das Einfliegen der Schwalben verhindern – und trotzdem für ausreichend Lüftung sorgen. Falls sich bereits ein Nest in der Milchkammer befindet: Wenden Sie sich an die Naturschutzbehörde und fragen Sie, was zu tun ist.
  3. Bringen Sie Nisthilfen an, so entscheiden Sie für die Schwalben, wo sie brüten und wo nicht. Dazu eignen sich: ein Nagel, der ca. 5 cm aus der Wand heraussteht, oder eine schmale Leiste in den Maßen 15/1/1 cm oder ein Stück Maschendraht (15 x 20 cm) oder extra gebaute Nisthilfen aus Holzbeton.
  4. Schwalben brauchen Nistmaterial: Helfen Sie Ihnen mit einer stets feucht gehaltenen Lehmpfütze!

Info: Schwalben – beliebt, aber bedroht

Ein Schwalbe macht noch keinen Sommer … Aber was wäre ein Sommer ohne Schwalben? Schwalben sind Kulturfolger. Die Mehlschwalben bauen ihre bis auf ein kleines Einflugloch geschlossenen Nester an die Wände von Häusern, Garagen, Scheunen etc. Die Rauchschwalben haben sich für ihre nach oben offenen Nestern auf die Innenräume von Tierställen und Scheunen spezialisiert.

Schwalben sind ortstreu: Sie kehren jedes Jahr zum selben Nistplatz zurück und verwenden das Nest aus dem Vorjahr für die neue Brut. Ihr Lebensraum schwindet, weil:

  • es immer weniger Insekten und damit Nahrung für die Schwalben gibt
  • durch den Abriss alter Gebäude Nistplätze verloren gehen
  • bei (energetischen) Sanierungen Nester entfernt werden
  • zu viele pingelige Hausbesitzer ihre Nester entfernen, um die Außenwände sauber zu halten
  • es immer mehr vollständig geschlossene Ställe und sonstige Gebäude gibt
  • die Rauchschwalben die offenen Außenklimaställe wegen der Zugluft meiden
  • die Vögel zu wenig Nistmaterial finden

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