Biogeflügel: Mit diesem Geflügelauslauf schützen Sie Ihren Hof und Ertrag

Bio-Hühner – Urheber: Moonborne | Fotolia
Bio-Hühner

Jedes 10. Ei in Deutschland wurde 2017 bereits von einem Biohuhn gelegt. Immer mehr Biobauern prüfen ihre Möglichkeiten, sich mit Biogeflügel ein weiteres Standbein aufzubauen und von dem Wachstumsmarkt zu profitieren. Elementarer Erfolgsfaktor ist dabei die Gestaltung des Geflügelauslaufs. Denn neben den Gesetzes- und Verbandsvorgaben entscheiden einige Feinheiten über die Qualität von Eiern und Geflügelfleisch. Mit den folgenden Tipps entwickeln Sie den für Ihren Betrieb optimalen Auslauf.

Die Biorichtlinien geben Ihnen bereits jede Menge Anforderungen mit auf den Weg, wie Ihr Geflügelauslauf auszusehen hat. Und die verschiedenen Bioverbände (ob Bioland, Demeter oder Naturland) konkretisieren die Vorgaben zusätzlich. Doch abgesehen von diesen Anforderungen: Wie bieten Sie den Tieren auf der einen Seite den größtmöglichen Komfort und schützen auf der anderen Seite Ihren weiteren Betrieb möglichst gut vor den vielen Gefahren, die durch den Freilauf auf Sie zukommen?

Die Mindestanforderungen werden durch die EU-Bio-Verordnung GflSalmoV 834/2007 Art. 14 1 b) iii) festgelegt; welche Bestimmungen für die Geflügel-Freigelände gelten, finden Sie in VO 889/2008, Art. 14 5. So müssen Biohühner 1/3 ihres Lebens Zugang zu Freigelände (überwiegend aus einer Vegetationsdecke) haben – und zwar mindestens 4 m² Auslauffläche pro Tier bei Wechselweide – und wann immer die Umstände dies gestatten.

Doch beim genauen Wie und Wo gibt es einiges mehr zu beachten. So verpflichtet Sie § 13a (10) Nr. 2 der Verordnung zum Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere und anderer zur Erzeugung tierischer Produkte gehaltener Tiere bei ihrer Haltung (TierSchNutztV), die Auslaufflächen so zu gestalten, „dass die Auslaufflächen möglichst gleichmäßig durch die Legehennen genutzt werden können“. Was aber, wenn sie das nicht tun?

Gestalten Sie Ihren Geflügelauslauf nach den folgenden Kriterien

1. Sorgen Sie für gute Deckung im Grünauslauf

Ein Phänomen lässt sich fast in allen Geflügelausläufen beobachten: Die Tiere meiden es, sich in der Mitte des Geländes – insbesondere wenn es sich um ein großes Freigelände handelt – aufzuhalten. Lieber drücken sie sich an der Wand zum anschließenden Gebäude lang oder suchen Schutz unter einem angrenzenden Baum oder Busch. Der Grund ist ganz einfach – instinktiv sucht das Geflügel nach Schutz vor möglichen Greifvogelangriffen.

Tipp:Abgesehen davon, dass Sie Ihren Tieren viel Stress ersparen, den sie erleben, wenn sie sich ungeschützt den Raubvögeln ausgesetzt fühlen, liegt es auch in Ihrem ureigensten Interesse, Ihre Tiere zu schützen. Denn Angriffe aus der Luft sind gar nicht so selten. Gestalten Sie Ihren Auslauf dementsprechend mit möglichst vielen Schutz bietenden Büschen. Diese bieten besseren Schutz als Bäume, welche den Greifvögeln ja auch als Beobachtungsposten dienen können. Oder greifen Sie auf künstliche Schutzobjekte wie Zelte oder Unterstände (beispielsweise in Form von Solarmodulen) o. Ä. zurück.

2. Wie Sie Ihren Geflügelauslauf strukturieren

Auch die Gestaltung Ihres Grünauslaufs sollten Sie vor dem Hintergrund der ständigen Deckungssuche des Geflügels vornehmen. Das heißt, Ihre Schutzobjekte (Zelte, ein alter Bauwagen, Tränken etc.) gehören in die stallentfernten Bereiche. Ermöglichen Sie Ihren Tieren zusätzlich, über Tunnelanlagen bzw. Leitbahnen zu weiter entfernten Schutzobjekten zu gelangen. Dabei können Sie auf künstliche Leitbahnen wie z. B. Windnetze oder auf natürliche wie stehen gelassenes Gras zurückgreifen.
Geflügelauslauf

3. Wählen Sie die optimale Auslaufbepflanzung

Diese Pflanzen eigenen sich gut für Ihren Geflügelauslauf:

  • Heckenpflanzen, wie Heckenrose, Weißdorn, Haselnuss oder die Felsenbirne
  • Obstgehölze, wie Himbeeren, Holunder, Tafelobst am Spalier
  • Kulturpflanzen, z. B. anstatt der Tunnelbauten für die Laufwege des Geflügels etwa Mais oder Sonnenblumen
  • Energiegehölze, wie Pappel, Weide oder Ahorn. Aber Achtung! Diese bieten auch Greifvögeln Schutz.

Auf keinen Fall haben in Ihrem Geflügelauslauf folgende Pflanzen etwas zu suchen:

  • Steinklee. Achtung! Dieser an Weg- und Ackerrändern weit verbreitete Hülsenfrüchtler beinhaltet Cumarin. Der Pflanzenstoff wird zwar in der Arzneimittelindustrie eingesetzt, kann bei Ihrem Geflügel aber zu inneren Blutungen führen: Finger weg!
  • Größte Vorsicht ist auch bei Kreuzblütlern geboten. Das enthaltene Sipanim führt zu fischigem Geruch und Geschmack der Eier durch das Abbauprodukt Trimethylamin.
  • Auch Buchweizen und Platterbse haben auf Ihrem Außengelände nichts zu suchen. Die Aufnahme führt zur erhöhten Lichtempfindlichkeit der Tiere.

4. Halten Sie Parasiten und Krankheiten fern

Grundsätzlich stärken Sie durch den Grünauslauf natürlich das Immunsystem Ihrer Tiere. Doch die folgenden Risikofaktoren gilt es, in den Griff zu bekommen, denn schon kleine Nachlässigkeiten gefährden nicht nur Ihr Geflügel, sondern alle Tiere und Futterstellen Ihres Hofes. Und das hat so seine Tücken, schließlich haben Sie – anders als im Stallinneren – keine Möglichkeit, den Auslauf komplett zu desinfizieren.

Tipp:Praxis-Tipp: Die beste Basis für Ihre Hygienemaßnahmen bilden leichte, durchlässige Böden. Und auch wenn Branntkalk als Düngemittel in Ihrem Biobetrieb verboten ist, haben Sie – zumindest in einigen Bundesländern – die Möglichkeit, mit diesem den Parasitenbefall im stallnahen Bereich zu vermeiden, indem Sie ihn als Desinfektionsmittel einsetzen. Die Salmonellen-Verordnung legt hierzu fest, dass Sie Ausläufe mindestens einmal im Jahr kalken müssen und sie anschließend mindestens 2 Wochen unbesetzt lassen.

Halten Sie Wildtiere vom Geflügelauslauf fern, diese können Krankheiten auf Ihr Geflügel übertragen. Und im Gegensatz zur Stallhaltung läuft Ihr Geflügel im Außengelände zusätzlich Gefahr, von Parasiten (z. B. Bandwürmern) mit Zwischenwirten befallen zu werden.

Führen Sie sich bei allen Ihren Maßnahmen vor Augen, dass jegliche Feuchtigkeit im Grünauslauf Erregern einen guten Nährboden bietet und diese widerstandsfähiger werden lässt und ihre Lebenszeit somit verlängert.

Mit diesen 5 Tipps bieten Sie den gefährlichen Plagegeistern im Geflügelauslauf Paroli – auf ökologisch vertretbarem Weg

  1. Tipp: Halten Sie die Grasnarbe kurz (Bestandshöhe maximal 20 cm). Neben einem höheren Eiweißgehalt können Sie so auch die Gefahr von Kropfverstopfungen minimieren. Achten Sie auch darauf, dass Stall und Auslauf stets sauber und möglichst trocken sind.
  2. Tipp: Vermeiden Sie es, Wildvögeln bewusst oder unbewusst in der Nähe des Außengeländes Nist- oder Futtermöglichkeiten zu bieten.
  3. Tipp: Sorgen Sie für eine möglichst gleichmäßige Nutzung des Geländes, sodass keine besonders beanspruchten „Trampelpfade“ entstehen. Denn hier können sich leicht Pfützen bilden, die wiederum eine optimale Brutstätte für Bakterien und Schaderreger sind. Beachten Sie die Hinweise zu „2. Wie Sie Ihren Grünauslauf idealerweise strukturieren“ auf Seite 4. Sie können die Fläche vor dem Stall auch z. B. gezielt mit Bodenschutzmatten befestigen.
  4. Tipp: Um Befall zu vermeiden, empfehle ich Ihnen, möglichst ein Wechselweidesystem mit 2 bis 3 Schlägen anzuwenden. Neben der Regeneration der Grasnarbe erreichen Sie so auch eine Reduzierung des Parasitendrucks. Je länger Sie die Fläche ruhen lassen können, desto besser. Unter 6 bis 8 Wochen sollten Sie aber auf keinen Fall gehen. Sind Ihre Tiere bereits von Parasiten befallen, kommen Sie um einen Weidewechsel nicht herum (siehe hierzu auch die Übersicht unten). Aber Achtung! Die 4 m² pro Henne müssen Sie grundsätzlich einhalten!
  5. Tipp: Bei Parasitenbefall können Sie mit einem Dampfstrahlgerät Bodentiere verbrennen. Das ist zwar ein probates Mittel, ist Ihre Grasnarbe jedoch bis zu diesem Zeitpunkt intakt, sollten Sie zu ihrem Schutz auf den Einsatz des heißen Dampfes verzichten.

Welche Tiere getrennt und welche gemeinsam eine Weide nutzen sollten

Wiederkäuer und Hühner bilden eine gute Kooperation. Das abgefressene Gras lässt die Sonne besser durch, trocknet schneller und verhindert so die gefährliche Pfützenbildung. Auch ein Weidewechsel mit Pferden ist gut möglich.

Verzichten Sie möglichst auf den Weidewechsel mit anderem Hausgeflügel. Zu hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Parasiten von einem zum nächsten Geflügel übergehen. Achtung! Auf keinen Fall sollten Sie die Fläche mit Puten bzw. Truthühnern wechseln. Diese leiden häufig an der tödlichen Schwarzkopfkrankheit – die Erreger können jahrelang im Boden bleiben und dann über Regenwürmer von einem Tier aufs nächste übertragen werden.

Autor: Günter Stein

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