Bio-Weidegänse – ein attraktives Zusatzgeschäft

Bio-Weidegänse auf einem Bauernhof in artgerechter Freilandhaltung – Urheber: Chroma | Fotolia
Bio-Weidegänse

Beim Gedanken an einen Festtagsschmaus mit saftigem Gänsebraten läuft mir sofort das Wasser im Mund zusammen. Ihnen auch? Im Norden traditionell als Weihnachtsgans, im Süden und generell in katholischen Regionen zu Sankt Martin: Gänse sind ein extremes Saisongeschäft. Wo die Gans herkommt und unter welchen Bedingungen sie gemästet wurde, wollen die meisten lieber nicht so genau wissen … Aber Ihre Kunden im Hofladen durchaus! Überlegen Sie doch einmal, ob Sie nicht einen Testlauf wagen und ein paar Gänse mästen!

Idealerweise können Ihre Kunden die Weidegänse auf der Weide beobachten – und sind dadurch gerne bereit, für eine Gans, die ein so gutes Leben hatte, tiefer in die Tasche zu greifen. Weitere Möglichkeiten: Sie können die Weidegänse in direkter Kooperation mit einem Bioladen in der Nähe vermarkten, ebenfalls mit Vorbestellung schon weit vor dem Festtag. Oder auch mit einem Ihnen gut bekannten Wirtshaus mit etwas zahlkräftigerem Publikum. Wichtig dabei ist immer die Kommunikation. Ob Kunden im Hofladen, im Bioladen oder Gäste im Wirtshaus: Erzählen Sie, am besten in einem Flyer, was genau Ihre Gänse zu traditionellen Bioweide-Gänsen macht. Dann wissen die Leute, dass dieses Gänsefleisch seinen (vergleichsweise sehr hohen) Preis absolut wert ist und ihnen damit ein besonderer Genuss ohne Reue bevorsteht. Gleichzeitig machen Sie auf diese Art gute Werbung für Ihren Hof und Ihr weiteres Angebot.

Voraussetzungen für einen Zusatzerwerb durch Gänsemast

  • vorhandenes Grünland als Weide
  • als Unterschlupf ein leerstehendes Gebäude/Scheune, luftdurchlässig, fuchs- und mardersicher
  • Klären Sie vorab die Schlachtung. (Hat ein Betrieb in Ihrer Nähe kurz vor St. Martin/Weihnachten Kapazitäten für Sie frei? Oder haben Sie geeignete, zugelassene Räumlichkeiten und einen entsprechenden Sachkundenachweis, um selbst zu schlachten?)
  • Wägen Sie ab, ob Sie und Ihre Familie mit dem Geschnatter zurechtkommen. Gänse sind recht laut!

Info: Das Wichtigste zur Mast von Weidegänsen

Die sogenannte Langmast (Spätmast, Weidemast) dauert mindestens 21 Wochen. Das Schlachtgewicht beträgt nach 5 bis 6 Monaten zwischen 4 und 6 kg. Gänse zählen zum Wassergeflügel. Sie brauchen keinen Schwimmteich – aber unbedingt die Möglichkeit, ihren Kopf vollständig in frisches Wasser einzutauchen. Dafür eignet sich eine Rohrtränke aus einem Kanalgrund-Rohr, in das sie oben eine entsprechend große Öffnung schneiden.

Die Küken/Gössel

Laut Vorschrift müssen Sie die Gänseküken (Gössel) von einem Biobetrieb kaufen. Wenn der nicht verfügbar ist, dürfen Sie von einem konventionellen Betrieb kaufen, müssen die Küken aber spätestens an ihrem 3. Lebenstag einstallen. Achtung: Dafür müssen Sie vor dem Zugang der Gössel eine Genehmigung durch die zuständige Behörde einholen. Fragen Sie außerdem Ihren Verbandsberater nach den Vorgaben Ihres Verbandes.

Der Stall

Im Warmstall dürfen Sie bei Mastgeflügel laut EU-VO höchstens 21 kg Lebendgewicht/m² (für bewegliche Ställe gelten maximal 30 kg Lebendgewicht/m²). Mindestens ein Drittel der Fläche muss mit Streumaterial ausgelegt sein (Stroh, Holzspäne, Sand, Torf). Der Stall muss mit natürlichem Licht ausreichend beleuchtet sein.

Die Weide

Laut Vorschrift benötigen Sie für jede Gans 15 m² Auslauf. Weidegänse brauchen aber deutlich mehr, optimal sind 50−75 m² pro Gans. Die Tiere sind tatsächlich auch deutlich leiser, wenn sie über viel Platz und Futter verfügen. Unbedingt nötig sind Möglichkeiten zum Unterschlupf auf der Weide. Die Gänse müssen sich unter Büschen, Hecken oder Ähnlichem vor Sonne und Raubvögeln schützen können.

Gänse sind ausgesprochene Pflanzenfresser und können ihren Eiweißbedarf zum überwiegenden Teil mit Gras decken. Eine gute Weide ernährt die Gänse und sieht für die Kunden gut aus. Die optimale Aufwuchshöhe beträgt 5 bis 10 (maximal 15) cm. Zu hohes Gras wird plattgetreten und nicht mehr gefressen.

Was Gänse sehr gerne fressen: Deutsches Weidelgras, Rotes Straußgras, Rotschwingel, Weißes Straußgras, Quecke, Weißklee und Schwedenklee und Löwenzahn. Gänse fressen einigermaßen gerne: Gemeine Rispe, Lieschgras, Wiesenschweidel, Wiesenrispe, Welsches Weidelgras und Franzosenkraut.

Gänse verschmähen: Glatthafer, Knaulgras, Lieschgras, Rohrglanzgras, Rohrschwingel, Wiesenschwingel, Schafschwingel, Wiesenfuchsschwanz, Weide- und Ackerluzerne, Rotklee und viele Wildkräuter wie Brennnessel oder Wegerich.

Da die Gänse so leicht sind, können Sie als Gänseweide auch feuchtere Standorte nehmen, die für andere Nutztiere als Weide nicht geeignet sind. Ein Problem kann der tiefe Verbiss durch die Gänse sein: Er geht bis zu den oberen Bestockungsknoten und sogar bis zu den Kriechtrieben unterhalb. Eventuell ist daher eine Portionsweide –Abtrennung mit Elektroknotenzaun – von Vorteil.

Tipp: Gewöhnen Sie die Küken unbedingt früh – innerhalb der ersten 3 Lebenswochen – an die Aufnahme von frischem Gras. Schon in der ersten Lebenswoche dürfen die Küken bei sonnigem, trockenem und warmem Wetter stundenweise auf die Weide.

Das Futter

Selbstverständlich dürfen Sie als Biobetrieb auch für die Gänse nur Biofutter einsetzen. Bei Gänsen können Sie sehr viel eigenes Futter einsetzen.

Woche 1 bis 3: Gänse haben ein ausgeprägtes Jugendwachstum. In den ersten 3 Wochen benötigen sie circa 90 g Starterfutter pro Tag. Ergänzen Sie eine Grundmischung aus Weizen, Gerste und Mais mit einer Eiweißkomponente, z. B. aus Sojabohnen, Sojakuchen und Sonnenblumenkernen bzw. Leguminosen wie Ackerbohnen, Erbsen oder Lupinen. Außerdem gut für die Küken: gekrümeltes Weißbrot mit zerkleinerten, hart gekochten Eiern; zerkleinertes Grünzeug aus Vogelmiere, Löwenzahn und Brennnesseln, angekeimtes Getreide.

Woche 4 bis 6: Ab der 4. Lebenswoche sollten Sie die Gössel in einer Übergangsphase verstärkt an die Weide gewöhnen.

Ab Woche 6 bis 7: Das Futter sollte zum überwiegenden Teil aus Gras bestehen. Dabei brauchen die Gänse bis zur 9. Lebenswoche unbedingt noch Kraftfutter (Kohlehydrate und Proteine aus Getreide und Leguminosen, kein Fett), das ihnen am Abend gefüttert wird. Auch danach ist eine Zusatzfütterung am Abend zu empfehlen. Selbst unter optimalen Bedingungen – hochwertige, von den Gänsen geliebte Gräser – können die Tiere ihren gesamten Energiebedarf nur schwer auf der Weide decken. Neben Getreide oder Leguminosen eignen sich auch Hackfrüchte.

Ausmast: 4 bis 6 Wochen vor Schlachttermin beginnt die Ausmast. Hier ist ein hoher Anteil an Fett im Futter gefragt. An Getreide eignen sich Weizen, Triticale, Gerste und Hafer (der sich positiv auf die Fettqualität auswirkt). Mais sollten Sie meiden, durch Mais bildet sich sehr weiches, gelbes Fett.

Die Kosten

Pro Gans müssen Sie mit Gesamtkosten (für Kükenkauf, Futter, Betreuung während der Mast, Schlachten, Verpacken, Vermarkten) von 45 bis 55 € pro Gans rechnen. Dementsprechend hoch müssen Sie den Verkaufspreis ansetzen!

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