Afrikanische Schweinepest (ASP) – Mit diesen Sicherheitsmaßnahmen schützen Sie Ihren Betrieb

Afrikanische Schweinepest – Urheber: Nadine Haase | Fotolia
Wildschwein

Es ist wirklich nur noch eine Frage der Zeit, bis die Afrikanische Schweinepest (ASP) auch in Deutschland auftritt. Mitte September wurde nur noch 60 km von der deutschen Grenze entfernt (im Dreiländereck Frankreich, Belgien, Luxemburg) bei tot aufgefundenen Wildschweinen die ASP diagnostiziert. Doch nicht nur als schweinehaltender Betrieb gilt es, jetzt besondere Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten. Der Gesetzentwurf, der Ende September den Bundesrat passiert, hat es auch für reine Ackerbauern in sich.

Die Angst geht schon lange um. Bereits seit 2007 tritt die schwere, meist tödlich verlaufende Virusinfektion vor allem im Baltikum und in osteuropäischen Ländern auf – und jetzt zieht sich die Schlinge um Deutschland zu.

Sobald die ASP in Deutschland auftreten wird, drohen katastrophale wirtschaftliche Folgen. Wie das aussehen könnte – und wie schnell das gehen kann – zeigt die nahezu in Lichtgeschwindigkeit erfolgte Kettenreaktion in Belgien. 2 Tage, nachdem man die an ASP erkrankten toten Tiere entdeckt hatte, verhängten diverse Länder, darunter auch der Großabnehmer China, Einfuhrstopps. Nach wenigen Tagen brach der Export von belgischem Schweinefleisch um 50 % ein. Und ein Ende ist nicht absehbar.

Und das, obwohl noch nicht einmal Haus-, sondern eben „erst“ Wildschweine betroffen sind. Achtung! Auch die Einfuhr von Futtermitteln aus Belgien wurde von mehreren Ländern, wie der Ukraine, China und Südkorea, kurzerhand gestoppt.

Welcher Maßnahmenplan verhindert die Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest?

Bereits seit 2014 existiert ein Maßnahmenplan, der die Einschleppung der ASP nach Deutschland verhindern soll. Am 14.3.2018 sind auch die Änderungen der Schweinepest-Verordnung und der Verordnung über die Jagdzeiten in Kraft getreten. Im Juni 2018 wurde nun beschlossen, das Tiergesundheitsgesetz (TierGesG) und das Bundesjagdgesetz (BJagdG) zu ändern.

Was bringt die Gesetzesänderung laut TierGesG?

Grundsätzlich bedeuten die Gesetzesänderungen erweiterte Befugnisse im TierGesG. Möglich sind dann folgende Maßnahmen, um die weitere Ausbreitung der ASP zu verhindern:

  • ein Gebiet z. B. durch Zäune abzusperren,
  • den Personen- oder Fahrzeugverkehr für bestimmte Gebiete zu beschränken,
  • und hier wird es für Sie als Ackerbauern besonders relevant: Es besteht die Möglichkeit, die landwirtschaftliche Nutzung von Flächen zu verbieten oder zu beschränken. So kann hier sogar ein Ernteverbot ausgesprochen werden, um die Auswanderung von Wildschweinen zu verhindern.

Tatsächlich hat das rumänische Landwirtschaftsministerium im August 2018 angeordnet, dass die Landwirte ihre Ernte in ASPgefährdeten Gebieten verbrennen oder auf andere Art isolieren müssen.

Es kann die vermehrte Suche von toten Wildschweinen angeordnet werden, um eine weitere Verbreitung zu verhindern.

Auch wird verstärkt erlaubt, als nicht Jagdausübungsberechtigter zu jagen. Und die einzelnen Bundesländer können auf Basis der Änderung des BJagdG Ausnahmen sogar für die Jagd in Setz- und Brutzeiten festlegen.

Tipp: Spätestens, wenn ASP-Fälle in Ihrem Bundesland auftreten – wahrscheinlich aber bereits beim ersten Fall im Bundesgebiet – werden Sie als Ackerbauer mit deutlich verzögerten Arbeitsabläufen und erhöhtem Aufwand zu kämpfen haben. Auch wenn Entschädigungsregelungen bei einem möglichen Ernteverbot oder bei anderen durch die zusätzlichen Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen entstehenden Schäden vorgesehen sind, sollten Sie nach Möglichkeit für alle Feldarbeiten einen erhöhten Zeitpuffer einbauen. Dokumentieren Sie auch so genau wie möglich, inwiefern Ihnen Ausfälle und Verzögerungen entstanden sind. Nur dann sind Sie in der Lage, bei späteren Rückfragen korrekt zu antworten und sich potenzielle Ausgleichszahlungen zu sichern.

Schnell-Check: Wie Sie sich als Schweinehalter bestmöglich vor ASP schützen können

  • Keine Verfütterung von Küchenabfällen oder Essensresten an Ihre Schweine.
  • Besteht auch nur ein leiser Verdacht, dass eines Ihrer Tiere erkrankt sein könnte, sorgen Sie schnellstmöglich für eine Isolierung des möglicherweise infizierten Tieres und lassen Sie die Proben von einem Labor analysieren. Auch sollten Sie einen Tierarzt oder Amtstierarzt hinzuziehen.
Achtung: Gehen Sie bei fiebrigen Tieren oder erhöhter Sterblichkeit Ihrer Tiere auf Nummer sicher und entnehmen Sie Proben. Ohne diese Untersuchung werden Sie die klassische und die Afrikanische Schweinepest nicht voneinander unterscheiden können.
  • Schulen und unterrichten Sie auch Ihre (Saison-)Arbeitskräfte über die Gefahren, die von importierten Fleischund Wursterzeugnissen ausgehen. Von Mitbringseln und anderen unkontrolliert eingeführten Produkten geht hier eine besondere Gefahr aus. Insbesondere dann, wenn sie aus Ländern stammen, in denen die ASP bereits ausgebrochen ist.
Info: Mit Stand Mitte September 2018 ist das in den folgenden Ländern der Fall: Polen, Baltikum, Moldawien, Rumänien, Tschechien, Weißrussland, Russische Föderation, Ukraine, Georgien, Armenien, Aserbaidschan, Sardinien, China und Belgien. Eine aktualisierte Übersicht aller Länder mit ASP-Vorkommen finden Sie hier.
  • Verhindern Sie unbedingt, dass Ihre Hausschweine mit Wildschweinen in direkten Kontakt treten. Besondere Vorsicht ist hier naturgemäß bei Freilandhaltungen notwendig. Aber auch als konventionell arbeitender Betrieb müssen Sie den direkten Kontakt verhindern und dafür Sorge tragen, dass Ihre Futtermittel und das Einstreu hygienisch und sicher vor unbefugtem Zutritt (wie den Wildschweinen) geschützt sind.
  • Optimieren Sie Ihre Betriebshygiene. Jede Maßnahme, mit der Sie eine Infektion und/oder Ausbreitung verhindern können, ist bares Geld wert. Dazu gehört auch die gründliche Reinigung aller Arbeitsmittel und -kleidung. Im Stall sollte grundsätzlich nur Schutzkleidung getragen werden. Halten Sie den Kreis derer, die Ihren Stall betreten, so klein wie möglich. Und halten Sie sich ohne Ausnahme an die Schweinehaltungs-Hygieneverordnung und gängige Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen.
Tipp: Um Mitarbeitern und Hofbesuchern die Hygienemaßnahmen ins Gedächtnis zu rufen, hilft es, Schilder und Plakate aufzuhängen. Darauf werden einzelne Schritte zur Biosicherheit erklärt oder Bereiche gekennzeichnet, die nicht betreten werden dürfen.
  • Verhindern Sie unbedingt, dass Unbefugte den Stall oder die Hygienezone rundherum betreten.
  • Falls Sie Ackerflächen bewirtschaften, bieten Sie den örtlichen Jägern Zusammenarbeit an (Ankündigung von Feldarbeiten, Mähen von Schneisen). Helfen Sie so aktiv, Wildschweinpopulationen in der Region zu kontrollieren und den Infektionsdruck zu senken.
Achtung: Wenn Sie auf dem Feld oder im Wald ein verendetes Wildschwein entdecken, sollten Sie ein Foto machen und dies samt dem genauen Standort an das örtliche Veterinäramt oder den Kreistierarzt weiterleiten. Berühren Sie das Tier nicht, gehen Sie nicht in seine Nähe und wechseln Sie vor Betreten Ihres Betriebs die Kleidung. Nutzen Sie die Hygieneschleuse, bevor Sie den Stall aufsuchen.

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