Rinderfutter: Eine Wissenschaft für sich und was man beachten muss

© backyardphoto – Fotolia
Rinderfutter

Die Verdauung der Rinder ist kompliziert. Durch ihre Physiologie mit vier Mägen, in denen das Futter zunächst fermentiert wird, haben Rinder und andere Wiederkäuer spezielle Ernährungsbedürfnisse. Dafür können sie aber auch von Futterpflanzen leben, die anderen Nutztieren nicht ausreichen würden. Um das empfindliche Magensystem und vor allem den Pansen gesund zu erhalten, benötigen sie 18 bis 20 Prozent Rohfaser in ihrer Ration. Dieser Faktor begrenzt die Möglichkeiten bei der Fütterungsstrategie. In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit den verschiedenen Sorten von Rinderfutter.

Eine gute Basis für Rinderfutter: Grob- oder Grundfutter

Grobfutter ist der Hauptbestandteil der Rinderernährung und sollte mindestens 60 Prozent der Fütterung ausmachen. Es kann aus Saftfutter wie Weidegras bestehen oder aus trockenem Raufutter wie Heu, Stroh und Grassilage. Auch Rüben, Maissilage, Zwischenfrüchte oder Pressschnitzel werden häufig zum Grundfutter gezählt, wenn der Energiegehalt unter 7,0 MJ NEL /kg TM liegt. Der Anteil an Rohfaser ist hoch, der an Stärke verhältnismäßig gering.

Für den Erfolg eines Milchbetriebes ist hochwertiges Grobfutter von guter Qualität essenziell wichtig. Ein guter Betriebsleiter ist daher nicht nur Experte im Herdenmanagement, sondern auch ein erfolgreicher Landwirt in Sachen Grünlandbewirtschaftung und Feldfutterbau. Ergänzt wird das Raufutter aus eigenem Anbau um Futterkomponenten, die Energie, Proteine, Mineralstoffe und Vitamine liefern.

Natürlich und gut: Grünfutter aus Weidegras und -kräutern als Rinderfutter

Frisches Weidegras entspricht am ehesten der natürlichen Ernährung der Rinder. Vor allem mittlere Milchviehbetriebe mit 50 bis 200 Kühen lassen ihre Tiere im Sommer noch Auslauf auf der Weide genießen. Um dies in der Praxis umzusetzen, brauchen sie in Betriebsnähe gelegene Weideflächen. An reine Stallkühe und zur Vorbereitung auf die Weidesaison wird Weidegras als Grünschnitt verfüttert.

Weitere mögliche Nutzpflanzen zur Grünfütterung sind

  • Weidelgräser,
  • Grünhafer,
  • Erbsen,
  • Wicken
  • und verschiedene Kleearten.

Sie können als portioniertes Grünfutter genutzt werden. Dabei ist je nach Klima während des Aufwuchses auf die Nitratgehalte zu achten.

Grundnahrungsmittel für Rinder – konserviertes Grundfutter

Durch Trocknen oder Silieren haltbar gemachtes Grundfutter dient traditionell als Winterfutter für Milchbetriebe und Rindermast und ist bei reiner Stallhaltung das ganze Jahr über Hauptbestandteil der Ration. Mit der Produktion des Grundfutters und der Strategie bei dessen Fütterung steht und fällt der Erfolg eines Milchviehbetriebes.

Wichtige Kennzahlen für die Qualität sind

  • Trockenmasse,
  • Energiegehalt,
  • Rohfasergehalt,
  • Rohprotein
  • und Zuckergehalt.

An ihnen bemisst sich nicht nur die Grundfutterqualität, sondern auch die Ergänzung durch andere Futtermittel in der Ration. Ein Großteil des Energie- und Eiweißbedarfs sollte möglichst von Grobfuttermitteln wie Silage, Heu und Stroh abgedeckt werden.

Silage als Rinderfutter

Grassilage bietet bei guter Qualität und gewissenhafter Verarbeitung die geringsten Verluste bei der Konservierung von Grundfutter. Gleichzeitig fressen Rinder sie gut, der hohe Rohfaseranteil macht sie bekömmlich. Das macht die Silage zum beliebtesten Grobfutter in der Milchviehhaltung Deutschlands. Auch Mais, Luzerne und Grünroggen können siliert und verfüttert werden.

Maissilage ist in der Rinderhaltung das zweitwichtigste Futtermittel. Durch hohe Erträge, gute Qualitäten und Kosteneffizienz wird sie gerne zur Mast und zur Fütterung von Milchvieh genutzt und ist immer öfter Bestandteil der Fütterungsstrategie.

Heu als Futter für Rinder

Durch die hohen Nährstoffverluste beim Trocknen, Verarbeiten und Lagern verschwindet Heu immer mehr aus der modernen Rationsgestaltung von Rindern. Das getrocknete Gras ist aber in einigen Regionen und auch in der Mutterkuhhaltung weiterhin ein wichtiges Winterfutter. Von den Tieren wird Heu allgemein sehr gut angenommen.

Auch kleine Betriebe sowie solche, die Grünland in schwer zugänglichen Lagen bewirtschaften, setzen bei der Rationsgestaltung weiterhin auf Heu als Grundfutter.

Stroh zur Fütterung von Rindern

Mit seinen hohen Rohfasergehalten, der kostengünstigen Produktion sowie Anschaffung und hervorragenden Lagereigenschaften ist Getreidestroh ebenfalls ein geeignetes Grobfutter in der Kuhfütterung, Rindermast und Kälberaufzucht. In Zeiten der Futterknappheit kann Stroh in Kombination mit Kraftfutter andere Grundfutterarten ersetzen.

Power für Hochleistungen – Kraftfutter für Ihr Rind

Als Kraftfutter bezeichnet man in der Rinderhaltung Futtermischungen oder Futterkomponenten mit mehr als 7,0 MJ NEL /kg TM. Wichtigste Komponenten sind Stärke und Eiweiß, der Rohfaseranteil ist niedrig. Kraftfuttermischungen lassen sich auf dem Betrieb selbst herstellen oder fertig kaufen.

Interessant bei fertigem Konzentratfutter sind pansengeschützte Protein-Komponenten. Dadurch wird ein Teil des im Futter enthaltenen Eiweißes davor geschützt, von den Pansenmikroben abgebaut zu werden und steht direkt dem Organismus zur Verfügung.

Proteinhaltige Einzelfuttermittel sind wichtig als Rinderfutter

Einer der teuersten Bestandteile einer Ration für Rinder ist Eiweiß. Wichtig ist es vor allem für Hochleistungskühe und Tiere in der Intensivmast. Der Bedarf sollte zum größten Teil über das Grobfutter gedeckt werden, der Rest muss über Futtermischungen oder Einzelfutter ergänzt werden. Für alle konventionellen Betriebe, die selber mischen, war dafür Sojaextraktionsschrot jahrelang das Mittel der Wahl.

Seit Verbraucher mehr Wert auf Produkte legen, die man ohne den Einsatz von Gentechnik produziert, ist Importsoja für viele Rinderhalter nicht mehr nutzbar. Gute Alternativen sind Rapsextraktionsschrot, Ackerbohnen sowie Sonnenblumenextraktionsschrot. Soja aus heimischen Anbau ist in geringen Mengen in einigen Regionen mit geeignetem Klima erhältlich.

Energiereiche Einzelfuttermittel zur Rinderfütterung

Viel Energie aus Zucker und Stärke bringt bei Nutztieren Leistung. Jedoch sind gerade Wiederkäuer in diesem Punkt empfindlich, da die Mikroben im Pansen diese energiereichen Stoffe extrem schnell abbauen. Dann droht die gefürchtete Übersäuerung des Pansens. Der Getreideanteil im Futter sollte daher 30 Prozent oder weniger betragen. Beliebte Futterkomponenten in der Rinderfütterung sind Mais, Getreide und Nebenprodukte aus der Lebensmittelindustrie wie Rübenschnitzel.

Milchleistungsfutter für Milchkühe

Hochleistende Milchkühe sind die Extremsportler unter den Nutztieren. Milchleistungsfutter ist daher vergleichbar mit der Ernährung von Profisportlern. Es ist von Energie-, Protein- und Rohfasergehalt genauestens abgestimmt auf die Bedürfnisse der Kühe. Der Energiegehalt liegt bei 6 bis über 7 MJ NEL /kg TM. Der Rohproteingehalt bei etwa 18 bis 35 Prozent. Das Leistungsfutter bekommen die Kühe ebenso wie Mineralfutter ergänzend zum Grundfutter.

Mastfutter für alle Rinder

Mastfuttermischungen sind ausgerichtet auf gute Tageszunahmen. Sie reizen die maximale Aufnahme an Stärke und Zucker des Pansens voll aus und sorgen gleichzeitig für eine angemessene Proteinaufnahme. Um die gewünschte Fleischqualität und gute Tageszunahmen bei möglichst niedrigen Ausscheidungen zu erhalten, ist die Fütterung bei Färsen- und Bullenmast an die verschiedenen Mastphasen angepasst.

Die Rationen bestehen aus selbst hergestellten oder zugekauften Mastfuttermischungen, Mineralfutter sowie einer Basis aus Grobfutter. Der Energiegehalt liegt bei etwa 10 bis 12 MJ ME pro kg, der Rohproteingehalt bei 18 bis 25 Prozent.

Mineralfutter ist wichtig als Rinderfutter

Was beim Menschen die Vitaminpille ist, ist für Rinder das Mineralfutter. Die meist pelletierten Mischungen enthalten Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine. Die Zusammensetzung ist für Rinder angepasst an verschiedene Ansprüche erhältlich. So müssen die Halter selbst keine Berechnungen mehr durchführen, sondern füttern lediglich das für Alter, Phase, Nutzungsform, Grundfutter und Haltung empfohlene Mineralfutter. In der Milchkuhfütterung hat Mineralfutter zur Vorbeugung gegen Milchfieber einen besonderen Stellenwert.

Autor: Maria Wildt

Sie haben Fragen? Rufen Sie uns an.
+49 228 9550-100

* * Selbstverständlich können Sie die Broschüren auch unabhängig von einer Newsletter-Anmeldung anfordern. Schreiben Sie uns dazu bitte eine kurze E-Mail mit Link zu dieser Seite.