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Jersey – eine der ältesten und kleinsten Rinderrassen der Welt

© Cameron Watson – shutterstock
Jersey Rind, Jersey Kuh. Jersey Bulle

Die Kanalinsel Jersey bietet so manches Steuerschlupfloch. Wie so vieles, was die im britischen Kronbesitz befindliche Insel bekannt macht, hat auch die Entstehung der Rasse Jersey etwas mit genau diesen steuerlichen Gegebenheiten zu tun. Die Spartricks der normannischen Bauern vor Hunderten von Jahren bescherten der modernen Landwirtschaft ein Milchrind, das Einfluss auf die Rinderzucht weltweit hatte und auch heute noch unverzichtbare Eigenschaften besitzt.

Zuchtgeschichte vom Jersey-Rind

Die Kanalinsel Jersey gehört nicht direkt zu Großbritannien, sondern zum Kronbesitz des britischen Königshauses. Damit gehören Sie zum Commonwealth und unterliegt – unabhängig von Großbritannien – einer eigenen Gesetzgebung und eigenem Steuerrecht. Durch diesen Umstand konnten normannische Bauern bis zum späten 18. Jahrhundert Einfuhrzölle beim Verkauf von Rindern auf die Britischen Inseln sparen, wenn sie dabei mit den Tieren einen Zwischenstopp auf Jersey einlegten. Von dort transportierten sie die Kühe weiter nach England und umgingen so die Zölle für Einfuhren vom Festland. Das Blatt wendete sich 1789, als die Verwaltung der Kanalinsel dem Druck des englischen Parlaments nachgab und die Einfuhr von Rindern nach Jersey mit hohen Importzöllen belegte. Von einem auf den anderen Tag wollte niemand mehr Rinder nach Jersey bringen und die dortige Zucht war von äußeren Einflüssen abgeschlossen. Weiterzüchten konnten die Bauern nur noch mit Beständen, die es bereits auf der Insel gab.

Ab 1830 entschieden sich die Züchter, auf Milchleistung und einen hohen Fettgehalt zu selektieren. Das Programm war so erfolgreich, dass die Nachfrage nach Jersey-Rindern in England und Europa stieg. Am Ende des gleichen Jahrhunderts gab es die Rasse bereits in Dänemark, Nordamerika und Neuseeland.

Das Jersey-Rind – Beschreibung

Zart, feingliedrig und klein, – mit ihrer geringen Körpergröße von etwa 125 Zentimetern und einem Gewicht von 450 Kilo gehören die Tiere zu den kleinsten unter den Rinderrassen. Das lässt jedoch nicht auf ihre Milchleistung schließen, den Jerseys besitzen von allen Milchrassen den höchsten Stoffumsatz. Das heißt, die Kühe erreichen im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht die höchsten Leistungen bei Milchmenge, Fett und Eiweiß.

Die Rinder von der Kanalinsel sind frühreif und leichtkalbig. Die Anpassungsfähigkeit an verschiedene Klimabedingungen ist sehr gut, hinzu kommt eine hervorragende Hitzetoleranz. Neben Braunvieh besitzen Jersey-Rinder den höchsten Kappa-Kasein-B im Milcheiweiß. Das Protein ist besonders wertvoll für Käsereien, da es die Gerinnung der Milch unterstützt.

Markant an Jerseys ist die gelbbraune bis cremefarbene Fellfarbe, die bei dunklen Tieren jedoch auch fast schwarz wirken kann. Die Rinder haben große, dunkle Augen. Das Flotzmaul ist dunkel, die geschwungenen Hörner haben oft schwarze Spitzen. Inzwischen gibt es hornlose Linien.

Milchleistung der Jersey-Kühe

Daten sind Durchschnittsleistungen der Milchleistungsprüfung von 2016.

  • Milchleistung pro Jahr: über 7.000 kg
  • Fett, in Prozent: 4,65
  • Eiweiß, in Prozent: 3,58

Fleischleistung bei Jersey-Bullen

Wie auch bei anderen Milchrassen werden die männlichen Kälber zur Mast eingesetzt. Als reine Milchviehrasse sind die Zuwachsraten bei Jersey-Bullen erwartungsgemäß gering. Pluspunkte sammeln die Jungbullen in der Mast durch eine hervorragende Futterverwertung.

Einfluss auf andere Rassen

Der Hohe Stoffumsatz der kleinen Rasse, die guten Werte bei den Milchinhaltsstoffen sowie Genügsamkeit und Melkbarkeit der Jerseys ist bei anderen Rinderrassen gefragt. Dadurch wurden die Jerseys ab Mitte des 20. Jahrhunderts in milchbetonte Rassen und Milchviehrassen eingekreuzt. Dabei nutzten die Züchter vor allem dänische und amerikanische Schläge, die sich mittlerweile von der Ursprungsrasse in Größe und Leistung etwas abheben.

Autor: Maria Wildt

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