Fehlgärungen, Schimmelpilze oder Siliergase: So retten Sie Ihr Futter

Futtersilos aus Stahl – Urheber: Birgit Reitz-Hofmann | Fotolia
Futtersilos

Fehlgärungen, Schimmelpilze oder Siliergase: Beim Silieren kann so einiges schiefgehen. Vieles fällt leider erst auf, wenn das Futter schon seit Wochen einsiliert ist, schlimmstenfalls sogar erst, wenn Sie das Silo öffnen. Die Futter-Qualität lässt sich zum Glück nachträglich noch in die richtigen Bahnen lenken. Je nach Problem stehen dafür unterschiedliche Methoden zur Verfügung.

Wenn die Silage kippt – Nacherwärmung und Schimmel

Wenn das Silo in Spätherbst und Winter dampft, ist das meist ein schlechtes Zeichen. Stellen Sie bei einer Kontrolle fest, dass die Temperatur im Silo kontinuierlich mindestens 10 °C über der Außentemperatur befindet, handelt es sich um Nacherwärmung.

Tipp: Überprüfen Sie die Temperatur im Herbst regelmäßig. Sinkende Werte können darauf hindeuten, dass sich das bei hohen Temperaturen einsilierte Substrat noch gar nicht komplett abgekühlt hat. Dies wäre weniger problematisch als eine Nacherwärmung durch Mikroorganismen.

Sie als Landwirt sollten bei Problemen mit warmer Silage zunächst nach den Gründen forschen, bevor Sie handeln. Nach einem Dürresommer wie 2018 kann die Erwärmung andere Ursachen haben als beispielsweise nach kalten, nassen Sommern. Zu hohe Feuchtigkeit ist nach trockenen Sommermonaten eher selten ein Problem. Viel wahrscheinlicher sind aktuell Trockenschäden am Substrat. Oft für Fehlentwicklungen verantwortlich ist eine mangelnde Verdichtung durch zu hohe Trockenmasse im Siliergut. In schlecht verdichteter Silage entstehen Lufttaschen, die Mikroorganismen genug Sauerstoff bieten, um sich zu entwickeln und auszubreiten.

Gründe für Nacherwärmung der Silage:

  • Mangelnde Verdichtung, wodurch viel Luft im Silo zurückbleibt. Diese bietet Sauerstoff für die vermehrte Entwicklung unerwünschter Hefen.
  • Hohe Trockenmasse-Gehalte durch verzögerte Entscheidung zur Ernte oder zu schnelle, schlecht schätzbare Reife.
  • Hohe Außentemperaturen bei der Einsilierung, dadurch ein verändertes Gärsäuremuster mit geringerem Anteil an Milchsäure, mehr Essigsäure sowie Ethanol.

Je höher und länger die Temperatur im Stock steigt, desto größer werden die Verluste beim Futterwert. Minderungen des Energiegehalts von bis zu 0,2 MJ NEL pro kg TM und Tag sind durchaus möglich. Nach den niedrigen Erträgen im Hitzesommer kommen dann noch Kosten für Kraftfutter oder Einbußen in der Milchleistung hinzu. Warme Silage kostet Sie also jeden Tag bares Geld. Grund genug, schnell zu handeln.

Erste Hilfe bei nacherwärmter Silage

  • Steigern Sie möglichst den Vorschub.
  • Behandeln Sie Anschnitte und Oberflächen von Blöcken mit Propionsäure und Harnstoff.
  • Mischen Sie Rationen aus warmer Silage ausschließlich frisch an. Bei Kontakt mit Sauerstoff verstärkt sich die Aktivität der Mikroorganismen, die Silage verliert dann sehr schnell an Energie. Auf Vorrat angemischte Futterrationen aus nacherwärmter Silage beeinflussen die Milchleistung negativ.
  • Behandeln Sie bei leichter Nacherwärmung die Futtermischung mit K-Sorbat, um Verluste zu minimieren.
  • Behandeln Sie bei starker Nacherwärmung im Silo auch die Ration mit Propionsäure, um Erwärmung und Verluste auf dem Futtertisch zu vermeiden.

Futterverluste durch Schimmel verhindern

Weitere Schäden können im späteren Verlauf durch Schimmelpilze entstehen. Schimmel ist eine Spätfolge der Nacherwärmung. Wer also Schimmelnester im Futter vermeiden möchte, sollte die Temperatur im Silo regelmäßig überwachen und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen. Nach dem Öffnen des Silos ist es wichtig, einen hohen Vorschub zu gewährleisten. Im Winter sind 1,5 Meter pro Woche empfehlenswert, in den wärmeren Sommermonaten etwa 2,5 Meter. Um Schimmel vorzubeugen, kann es außerdem sinnvoll sein, die Anschnittkanten zu mit einer Mischung aus Harnstoff und Propionsäure zu konservieren. Nach der Entnahme sollten Sie die Kanten zudem mit Silofolie abdecken.

Schimmelige Partien sollten Sie aussortieren, auf den Futtertisch dürfen diese keinesfalls gelangen. Die enthaltenen Mykotoxine führen zu gesundheitlichen Problemen bei den Tieren. Behandeln Sie Anteile der Silage, die in gutem Zustand sind, bei der Anmischung mit Propionsäure.

Falls bei starkem Schimmelbefall noch gut erhaltene Partien im Stock enthalten sind, kann eine Umsilierung unter Einsatz von Siliermitteln diese retten. Hier ist mit Verlusten von vier bis acht Prozent der Trockenmasse zu rechnen.

Treue Helfer beim Silage-Management: Propionsäure und Kalium-Sorbat

Propionsäure ist in der Praxis der wirksamste chemische Stabilisator für Silage. Die organische Säure ist ätzend, korrosiv und leicht flüchtig, weswegen Sie sie nur mit Schutzkleidung, Schutzbrille und Handschuhen verarbeiten sollten. Um den Lack des Futtermischwagens und anderer Arbeitsgeräte zu schonen, können Sie die nicht-korrosive Varianten verwenden. Die optimale Dosierung liegt bei 5 bis 10 l/t.

Das größte Problem an Propionsäure ist, dass Kühe damit versetzte Rationen nicht gerne fressen. Das liegt vor allem am stechenden Geruch. Die angesäuerte Variante ist immerhin besser für die Tiere als nacherwärmtes Futter. Hier gilt es daher bei der Dosierung immer, nur so viel Propionsäure zu nutzen, dass die Silage gerade so stabilisiert wird, um die Futteraufnahme nicht unnötig zu stören.

Wer keine Probleme mit einem warmen Stock hat, aber die Futterrationen vor Erwärmung schützen möchte, kann Kalium-Sorbat verwenden. Das Konservierungsmittel ist nicht korrosiv und hat keine negativen Einflüsse auf die Futteraufnahme. Auf bereits im Silo erwärmte Silage hat es kaum positiven Wirkung.

So erkennen Sie nitrose Gase rechtzeitig

Nitrose Gase sind eine Mischung verschiedener Stickoxide, die sich während des Silierprozesses bilden, wenn Nitrat zu Nitrit reduziert wird. In der Silage kommen dabei vor allem Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid vor. Dass sich diese Gase in Silage entwickeln, ist normal, bis zu einem gewissen Grad sogar erwünscht. Nitrose Gase sind nämlich nicht nur für den Menschen hochgiftig, sondern auch für die in Silage unerwünschten Clostridien. Entstehen die Gase, werden dadurch auch Fehlgärungen vermieden.

Aufgeblähtes Silo ist erstes Anzeichen für Gasbildung

Nitrose Gase sind schwerer als die Umgebungsluft. Sie sinken daher nach der Bildung im Silo innerhalb weniger Tage nach unten ab. Erkennen können Sie sie an orangeroten Verfärbungen rund ums Silo oder sogar gelblichen bis rötlichen Gaswolken in Bodennähe. Werden diese Merkmale sichtbar, besteht hohe Vergiftungsgefahr. Nach Dürre und Hitze im Sommer haben viele Landwirte an Maissilos Gärgashauben auf dem Silo entdeckt. Sie sind unter anderem auch ein Hinweis auf giftige Siliergase. Daher ist in diesem Fall in den Wochen und Monaten nach Silobefüllung Vorsicht geboten.

Das passiert, wenn Sie nitrose Gase einatmen

Bei Berührung der giftigen Gase mit den Schleimhäuten bei Menschen oder Tieren bilden sich dort salpetrige Säure und Salpetersäure. Schon kleinste Mengen sind daher hochgiftig. Die beiden Stoffe wirken verätzend auf Atemwege, Speiseröhre, Nasenschleimhaut und Augen. In schweren Fällen kann dies den Magen und sogar die Lunge betreffen. Die Folgen sind Atemprobleme, Reizhusten, gereizte Augen und auch Schwindelanfälle oder Erbrechen. Menschen und Tiere, die die giftigen Gase über einen längeren Zeitraum einatmen, ersticken innerlich, da das Blut seine Fähigkeit verliert, Sauerstoff zu transportieren.

Was tun, wenn nitrose Gase auftreten?

In Betrieben, in denen der Mais dieses Jahr außergewöhnlich früh geerntet worden ist, sind die Silos bereits abgedeckt und die Zeit der akuten Gasbildung vorbei. Hier ist bei Begehung des Silos dennoch Vorsicht geboten. In einigen Gebieten dagegen konnte der Mais auch dieses Jahr zur gewohnten Zeit geerntet werden, hier können aktuell noch Gärgasblasen an den Silos auftreten. Auch bei Grassilage treten die Gase dieses Jahr verstärkt auf.

Ergreifen Sie in diesem Fall folgende Maßnahmen:

  • Sind Anzeichen nitroser Gase zu sehen, sollte das Silo auf jeden Fall geschlossen bleiben. Eventuelle Gärgasblasen senken sich nach ein paar Tagen von allein ab.
  • Sperren Sie den Bereich des Silos großräumig ab. Sie müssen unbedingt vermeiden, dass Kinder, Passanten, Tiere und Mitarbeiter in Kontakt mit den Gasen kommen.
  • Tiere, die Sie in der Nähe des Silos halten werden, sollten Sie vorübergehend umquartieren.
  • In schweren Fällen oder bei Zweifel im Umgang mit nitrosen Gasen hilft die örtliche Feuerwehr kompetent weiter.
  • Sie sollten das Silo nicht begehen, solange die Gase auftreten. Machen Sie auch auf unverdächtig aussehenden Silos niemals Pause. Setzen oder legen Sie sich nicht auf das Silo.

Noch mehrere Wochen nach Silobefüllung und nach Beendigung des Silierprozesses können in Bodennähe vereinzelt Gase auftreten. Seien Sie wachsam.

Nach der Gärdauer von 6 bis 8 Wochen hat sich in der Regel der größte Teil der nitrosen Gase zu ungefährlichen Stickstoffverbindungen abgebaut. Rötlich-braun verfärbte Silage kann dann ohne Bedenken verfüttert werden.

Mit diesen Maßnahmen erhalten Sie nach einem Dürresommer hochwertige Silage:

  • Wer das Silo bei hohen Temperaturen angelegt hat, sollte mindestens acht bis zehn Wochen bis zum ersten Anschnitt warten.
  • Überprüfen Sie mithilfe eines Indikatorpapiers, ob der pH-Wert schon ausreichend abgefallen ist, bevor Sie das Silo öffnen. Am besten erreicht es einen pH-Wert von unter 4,2, durch den niedrigen Anteil von Milchsäurebakterien in trockenen Silos kann er sich auch etwas höher einpendeln.
  • Kontrollieren Sie regelmäßig die Abdeckung sowie die Beschwerung des Silos. Löcher in der Folie sollten Sie sofort kleben.
  • Sorgen Sie für einen glatten Anschnitt auf der wetterabgewandten Seite des Silos.
  • Bei dürregeschädigtem Substrat ist es ratsam, dass Sie einen Vorschub von mindestens 1,5 Metern pro Woche im Winter und 2,5 Metern pro Woche in der warmen Jahreszeit einhalten.
  • Prüfen Sie den Silage-Stock regelmäßig auf Nacherwärmung. Dafür eignen sich Thermometer oder Wärmebildkameras.
  • Achten Sie bei der Entnahme auf Geruch, Aussehen und Konsistenz der Silage. Ein muffiger Geruch oder eine helle, gräuliche Farbe sowie sehr dunkle Partien deuten auf Fehlgärungen hin.
  • Nach dem Dürresommer sind die Nährwerte in der Silage anders als gewohnt. Das liegt an teilweise kolbenlosen Pflanzen, veränderter Gärung sowie anderen TM-Gehalten. Lassen Sie die Silage auf Inhaltsstoffe und Energiegehalte analysieren. Aufgrund dieser Werte können Sie optimale Futterrationen zusammenstellen. Geringe Energiewerte können Sie zum Beispiel durch höhere Kraftfutteranteile in der Ration ausgleichen.

* **Selbstverständlich können Sie den Exklusiv-Ratgeber "Agrarförderungen für Landwirte" auch unabhängig von einer Newsletter-Anmeldung anfordern. Schreiben Sie uns dazu bitte eine kurze E-Mail mit Link zu dieser Seite.

Copyright © 2019 agrarwissen.com. Impressum | Datenschutz