Afrikanische Schweinepest – können Jäger die Seuche aufhalten?

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Afrikanische Schweinepest

Die Situation ist bedrohlich. Die Schweinepest (ASP) ist bereits in Belgien angekommen. Nur etwas mehr als 50 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt sind seit Mitte September 2018 114 Fälle der Viruserkrankung bei Wildschweinen nachgewiesen worden, über 4000 Hausschweine in der Region wurden vorsorglich gekeult.

Übertragen wird die Schweinepest in Europa bisher vor allem durch Schwarzwild; ausgerechnet einer Tierart, die in unseren Wäldern so zahlreich vertreten ist, dass die Zustände von Jägern, Ökologen und Landwirten bereits seit Jahren als „Plage“ bezeichnet werden.

Weniger Schwarzwild, weniger Neuinfektionen?

Die Lösung scheint auf der Hand zu liegen: Der Wildschweinbestand muss reduziert werden. So gäbe es eine geringere Anzahl an Tieren, die den Krankheitserreger in die zentralen Schweinemastregionen Europas verschleppen könnten. Der Bauernverband fordert bereits Anfang des Jahres eine konsequente und nachhaltige Keulung eines Großteils Wildschweinbestände in Deutschland. Schon im Februar hat die Regierung die Schonzeiten für Wildschweine aufgehoben; auch Muttertiere und Frischlinge stehen zur Jagd frei. Die Theorie klingt überzeugend, doch was sagen praktische Erfahrungen zu Wildtier-Keulungen?

Infektionsdruck 

Wie hoch ist eigentlich die Gefahr, dass sich Lebewesen bei einem Seuchenausbruch anstecken? Epidemiologen nutzen dafür eine Kenngröße: den Infektionsdruck. Er ist abhängig davon, mit wie vielen Erregern – also kontaminiertem Material oder infizierten Tieren – ein bisher gesunder Organismus in Kontakt kommt. Wird er einer hohen Menge von Krankheitserregern ausgesetzt, ist der Infektionsdruck hoch und eine Ansteckung wahrscheinlicher.

ASP-Überträger – warum gibt es so viele Wildscheine in unseren Wäldern?

Das Problem mit der Reduzierung großer Wildtierpopulationen liegt in deren Natur selbst: Sie konnten von vorneherein nur entstehen, weil die Tiere sehr gute Lebensbedingungen mit Rückzugsräumen, reichlichem Nahrungsangebot und kaum Raubtieren vorfinden. Diese Bedingungen bleiben auch nach einer Verringerung des Bestandes erhalten.

Eine weitere Begünstigung für eine zügige Erholung der Wildschweinpopulation liegt auch an den Jagdformen, da vor allem stattliche, männliche Tiere bevorzugt werden. Wenn Jäger vorwiegend Keiler schießen, steht den Bachen mehr Futter und Platz zur Verfügung. Dies minimiert auch Konkurrenzkämpfe unter den Männchen, was zur Folge haben kann, dass sich die Geburtenrate sogar noch erhöht und die Populationen – somit auch der Infektionsdruck – größer werden. Die neu geborenen Tiere finden in einem Gebiet mit vorangegangener Keulung beste Bedingungen vor und entwickeln sich prächtig.

Gegen ASP sind nachhaltige Maßnahmen oberstes Gebot

Bei einer groß angelegten Schwarzwild-Keulung besteht also eine hohe Gefahr, dass sich die Bestände innerhalb weniger Jahre nicht nur erholen, sondern sogar vergrößern. Für einen Erreger wie das Afrikanische Schweinepest-Virus würde das optimale Bedingungen bedeuten, um sich weiter auszubreiten.

Wie kam der ASP-Krankheitserreger nach Belgien?

Das Virus überträgt sich durch Lederzecken aus den afrikanischen Ursprungsländern, die jedoch in europäischen Ländern keine Rolle spielen. Verbreitet hat sich das Virus über verschiedene Wege bis nach China, Korea, Osteuropa, in die Balkanstaaten und nun auch nach Belgien.  Anscheinend hat der ASP-Erreger auf seiner Reise einige Länder und Grenzen übersprungen. Ein Fakt, der deutlich gegen eine Verbreitung ausschließlich über Wildschweine spricht. Auch die Ausbreitung entlang von Schnellstraßen weist auf einen ganz anderen Überträger hin: den Menschen. Unter Verdacht stehen Reisende, die Fleisch- und Wurstwaren über die Grenzen bringen und Reste und Abfälle wegwerfen. Wenn Wildschweine diese Essensreste fressen, sich anstecken und den Erreger dann verbreiten, ist das Virus wieder ein paar Kilometer weitergewandert. Zuletzt sogar die weite Strecke bis nach Belgien.

Während Wildschweine in freier Natur das ASP-Virus etwa 20 Kilometer pro Jahr weitertragen, schaffen es reisende Menschen mit kontaminierten Lebensmitteln im Gepäck, die zehnfache Distanz für den Erreger zu überbrücken. Zwar bleibt Schwarzwild der wichtigste Überträger, doch für eine erhöhte Geschwindigkeit der Verbreitung sorgt der Mensch selbst.

Wie können Wildschwein-Keulungen die Schweinepest bremsen?

  • Wildtierkeulungen sind so auszuführen, dass die zusätzlichen Jagdmaßnahmen die einzelnen Tiergruppen nicht aufschrecken und in Unruhe versetzen. So wird vermieden, dass das Schwarzwild sein gewohntes Revier verlässt und so den Erreger weiterträgt.
  • Dringend benötigt wird ein Konzept, das klärt, wie nach der Reduzierung der Schwarzwild-Bestände verfahren wird, um eine explosionsartige Vermehrung – und damit erhöhte Ansteckungsgefahr – der Tiere zu vermeiden.
  • Landwirte, Seuchenschutz und Politik dürfen sich nicht darauf verlassen, dass die Jagd allein die Verbreitung der ASP verhindert. Ganz im Gegenteil, die Keulung ist mehr als Unterstützung zu Primärmaßnahmen zu sehen.
  • Immens wichtig ist es, die Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest über Reisewege der Menschen einzudämmen. Dazu muss die Bevölkerung in Europa aufgeklärt und der unkontrollierte Transport von tierischen Lebensmitteln eingeschränkt werden. Um den Kontakt von Schwarzwild mit kontaminierten Abfällen zu verhindern, könnten Rastplätze an den Autobahnen eingezäunt werden. Eine weitere Möglichkeit, die Tiere von kontaminierten Abfällen fernzuhalten, stellen wildschweinsichere Abfallbehälter dar.

Wie überträgt sich die Schweinepest?

Das ASP-Virus überträgt sich vor allem durch den direkten Kontakt zwischen Tieren sowie durch infektiöses Material wie Körperflüssigkeiten, Gewebe oder Kot. Auch ungeprüfte Fleisch- und Wurstwaren, Jagdtrophäen oder Jagdwerkzeug können kontaminiert sein. Für den Menschen ist die Afrikanische Schweinepest ungefährlich, jedoch trägt er zu ihrer Verbreitung bei.

Was Sie als Landwirt gegen die Ausbreitung der ASP tun können:

  • Arbeiten Sie mit den örtlichen Jägern zusammen, indem Sie Jagdschneisen auf den Feldern anlegen und Feldarbeiten ankündigen und abstimmen.
  • Halten Sie die Schweinehaltungs-Hygieneverordnung ein und schulen sie regelmäßig Ihre Mitarbeiter sowie Sie selbst im Umgang mit Hygiene
  • Unbefugte dürfen den Betrieb und vor allem die Hygienezone in und um die Stallungen nicht betreten.
  • Kaufen Sie kein Tierfutter aus betroffenen Regionen. Lassen Sie sich immer genaue Herkunftsangaben zu zugekauftem Futter und Einstreu machen.
  • Falls Sie verendete Wildschweine entdecken, machen Sie ein Foto und melden Sie den Standort dem örtlichen Veterinäramt. Halten Sie Abstand vom Kadaver. Wechseln Sie danach die Kleidung und beachten Sie vor Betreten Ihres Hofes oder der Stallungen Maßnahmen zu Biosicherheit.
  • Bringen Sie keine tierischen Produkte aus ASP-Regionen mit nach Deutschland. Verzichten Sie als Schweinehalter auf Jagdreisen in betroffene Gebiete (gilt auch für Hobbyhalter).
  • Schützen Sie Schweine im Freiland unbedingt vor dem Kontakt mit Wildschweinen. Kontrollieren Sie Weidezäune und Tore, sichern Sie Futterlager und verhindern Sie die Kontaktaufnahme über Zäune hinweg.
  • Auch Hobbyhalter von Minischweinen, Betreiber von Streichelzoos und andere Schweinebesitzer sind angehalten, Kontakt der Tiere sowie der Besucher zu Wildschweinen zu unterbinden und auf keinen Fall Essensreste oder Küchenabfälle zu verfüttern.

Um die Afrikanische Schweinepest aufzuhalten, reicht es nicht, Hunderttausende von Wildschweinen zu keulen. Unerlässlich ist jetzt eine enge Zusammenarbeit von Seuchenschutz, Veterinären, Landwirten, Jägern und Politikern.

Ein nachhaltiges Konzept ist zu finden, welches auch die Zeit nach der Wildtierkeulung abdeckt. Zudem sind Maßnahmen zu treffen, um die Übertragung durch den Menschen zu stoppen. Nur so kann die Seuche eingedämmt und von den wichtigsten Regionen der Schweineproduktion in Europa ferngehalten werden.

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