Precision Farming: Diese technischen Innovationen revolutionieren Ihren Betrieb

Drohneneinsatz in der Landwirtschaft – Urheber: ekkasit919 | Fotolia
Precision Farming

Mich erinnern die ständigen Berichte, Ausblicke und neuen Technologien immer wieder aufs Neue an die Maus in der Speisekammer. Die technologischen Innovationen werden immer aufsehenerregender. Ganz zu schweigen von den Möglichkeiten, die sich Ihnen erst bieten, wenn Sie die unterschiedlichen Technologien vernetzen. Doch was ergibt für welchen Anbaubetrieb Sinn und was ist noch zu unausgereift, um jetzt schon als Testobjekt auf die neuen Technologien aufzusetzen?

1. Hilfe aus der Luft – wenn Drohnen ganz genau hinschaue

Sie kreisen bereits über Ackerflächen, Grünland und forstwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen: die Drohnen. Hauptsächlich werden sie aktuell zur Bekämpfung der Schlupfwespenlarven in Maisbeständen eingesetzt. Doch das ist natürlich noch nicht das Ende der Fahnenstange. In näherer Zukunft werden Modelle mit diesen Möglichkeiten den Markt erobern:

Flugobjekte, die den Feldbewuchs prüfen und optimieren

Neben der eigentlichen Flugtauglichkeit sind für die Agrardrohnenentwicklung die rasanten Weiterentwicklungen von optischen Geräten relevant. Je ausgereifter, stabiler und auch leichter Kameras, z. B. sogenannte Multispektralkameras, gemeinsam mit eingebauten Sensoren arbeiten, desto größer auch der Nutzen für Ihren Ertrag. Denn hier liegt Ihr Hebel zur tatsächlichen teilflächenspezifischen Bearbeitung – der größte Ertragshebel, der sich Ihnen über Smart-Farming- Maßnahmen eröffnet:

  • Optimierung der Ausbringung von Dünger und Saatgut
  • frühzeitige Erkennung von Schädlingsbefall, samt punktueller Bekämpfung
  • Vereinfachte und exakte Entnahme von Bodenproben. Schließlich können Sie so Proben von bestimmten Teilflächen ziehen und verfälschen die Ergebnisse nicht durch eine Mischprobe über das gesamte Feld.
Tipp: Haben Sie die Möglichkeit, per Drohne GPS-gestützte Bodenproben zu entnehmen, können Sie nicht nur Kosten reduzieren und Ihre Erträge steigern. Sie vermindern auch deutlich Ihren bürokratischen Aufwand, wenn Sie die Möglichkeit haben, die Daten direkt in Ihre Schlagkartei zu importieren. So haben Sie die wichtigsten Informationen zur laufenden Überprüfung der Düngeplanung parat und sind auch bestens gerüstet, wenn der Prüfer Ihren Hof betritt.

Was spricht aktuell noch gegen den Drohneneinsatz zur Feldüberwachung?

  1. Auch wenn die Investitionskosten gerade im Bereich der relativ einfachen Modelle durch rasant steigende Anbieterzahlen immer weiter fallen, sollten Sie nicht versäumen, hier eine kritische Investitionsrechnung aufzustellen. Das heißt in Euro und Cent zu ermitteln, wie viel mehr Ertrag Sie sich vom Einsatz der Drohne versprechen. Nehmen Sie hier im ersten Schritt auch wirklich nur die monetär zu bewertenden Vorteile auf und verzichten Sie zunächst darauf, auch die indirekten Vorteile, wie den langfristigen Informationsgewinn über Ihre Flächen, zu bewerten.Nutzen Sie diese indirekten Vorteile als Puffer, dessen positive Auswirkungen (wie Ihre verbesserte Informationslage) sich sicherlich irgendwann auch monetär auszahlen werden. Aber auf der anderen Seite müssen Sie auch mit unerwarteten Kosten rechnen. So sind die Entwicklungszyklen von Felddrohnen sehr kurz. Das heißt, das, was gestern noch die höchste Kompatibilität mit gängigen Systemen hatte, kann Ihnen schon nach wenigen Jahren nicht mehr genügen. Rechnen Sie entsprechend lieber mit einer kürzeren Nutzungsdauer, sodass sich die Drohne schneller amortisieren muss.Übrigens: Über die Länge der Abschreibungsdauer von Agrardrohnen wird in Fachkreisen noch eifrig gestritten. Aktuell und je nach Argumentationslage scheint es auf 5 bis 7 Jahre hinauszulaufen. In Zeiten der enormen technischen Fortschritte wenig nachvollziehbar.
  2. Bis Sie eine Drohne stabil über Ihre Flächen steuern können, ist viel Übung und Erfahrung erforderlich. Und gerade weil Sie als Ackerbauer viele der anfallenden Arbeiten nur bei Helligkeit und relativ stabilen Wetterbedingungen durchführen können, werden Sie Probleme haben, sich bei idealen Bedingungen zum Üben mit der Drohne „untätig“ ans Feld zu stellen.
  3. Auch mit viel Übung und Erfahrung ist der Zeitaufwand, den Sie bei jedem Überflug Ihrer Flächen einplanen müssen, nicht zu vernachlässigen – und ein Arbeitsgang mehr. Wenn auch mit vielversprechenden Ergebnissen.

Wer vom Drohneneinsatz besonders profitiert

Gerade wenn Ihre Flächen in kuppiertem Gelände oder in schwer zugänglichen Gebieten (z. B. Weinberge) liegen, werden Sie naturgemäß vom Drohneneinsatz besonders profitieren können. So werden in naher Zukunft die Helikopter, die aktuell an den Weinbergen eingesetzt werden, neben den viel zielgenauer arbeitenden Drohnen wie Steinzeitmodelle wirken. Durch die niedrigere Flughöhe ist der Abdrift viel geringer und führt neben der erheblich verbesserten Datenlage und Ansteuerbarkeit zu einer weiteren deutlichen Reduktion von Einsatzmengen. Problem: Aktuell besteht in den Weinbergen weiter ein Drohnenverbot. Sie werden noch ca. 4 Jahre auf den ersten Spritzdrohneneinsatz warten müssen. Derzeit fehlt die luftfahrtrechtliche Genehmigung, da sogenannte unbemannte Luftfahrtsysteme mit einer Gesamtmasse von mehr als 25 kg außerhalb von Landeplätzen grundsätzlich verboten sind.

Wo geht die Drohnen-Reise hin?

Drohnen werden zukünftig mit Hyperspektralkameras ausgerüstet, um

  • den Stand des Pflanzenwachstums,
  • Pilzbefall oder
  • Überschwemmungen zu überwachen.

Die so erzeugten Luftbilder werden mit Satellitendaten gekoppelt und zeigen Ihnen möglichen Schadbefall an, bevor sich an der Pflanze die ersten Symptome zeigen.

Aktuell wird an der Universität Hohenstein z. B. recht erfolgreich folgendes Modell erforscht: Eine Drohne überfliegt die Ackerfläche in konstanter Höhe und erstellt Luftbildaufnahmen. Im Anschluss steuert der Traktor über den Bordcomputer die digital gespeicherten Unkrautstellen an und bringt die Spritzbrühe teilflächenspezifisch aus. Selbstredend wird auch die Kontrolle durch einen erneuten Drohnenflug nach 2 Wochen durchgeführt.

Gerade vor dem Hintergrund der ständigen Verschärfung der Düngeregeln und der feinmaschigen Kontrolle eine aussichtsreiche Entwicklung. So konnten wohl 60 % des Herbizideinsatzes bei der Bekämpfung von Disteln in Rüben eingespart werden.

Die schlechte Nachricht: Bis zur Marktreife werden noch einige Jahre ins Land gehen.

2. Optimierung bei der Saatgutausbringung durch Precision Farming

Was vielleicht aus der Luft betrachtet nach einer homogenen Ackerfläche aussehen mag, erweist sich häufig beim genaueren Blick oder der Fahrt mit dem Schlepper als ein extrem schwierig zu bearbeitender Flickenteppich. Denn befinden sich nicht alle Schläge des Feldes z. B. auf Lehmboden, sondern einige auch z. B. auf Sand, wird die einheitliche Bearbeitung zum Rechenexempel. Schließlich hängt die Saatbeetbereitung sowohl von der Bodenbeschaffenheit und der Fahrtgeschwindigkeit als auch von der Zapfwellengeschwindigkeit ab.

Ändert sich die Bodenart im Rahmen der Überfahrt mehrfach, ist eine manuelle Anpassung aller Parameter in kurzen Zeitabständen durch den Fahrer kaum zu bewerkstelligen. Immer mehr automatisierte Lösungen drängen auf den Markt, um Sie direkt bei der Saatbeetbereitung – z. B. durch optische Hilfsmittel wie Kameras – zu unterstützen.

So können beispielsweise Kameras, die hinter der Kreiselegge angebracht werden, direkt an den isobusfähigen Traktor 3-dimensionale Bilder der Bodenoberfläche senden. Der Traktor selbst berechnet die daraus resultierende optimale Geschwindigkeit sowie Zapfwellendrehzahl und passt beides entsprechend an.

3. Unter den Boden schauen – und gleichzeitig bearbeiten

Für Furore sorgt u. a. der „Geophilus electricus“ – mit diesem rollenden Gefährt können z. B.

  • Beregnungswasser,
  • Düngemenge oder
  • Bearbeitungstiefe

genau an die Bodenbeschaffenheit Ihrer Felder angepasst werden. Das rollende Messsystem kann unter die Erde sehen und Stück für Stück die elektrische Leitfähigkeit von Böden in einer Tiefe von bis zu 2 m vermessen. Daraus erstellt der Roboter Bodenkarten und Sie erhalten direkt die Information, wo Ihre Böden verdichtet sind oder z. B. ein überdurchschnittlicher Tongehalt den Stickstoffbedarf des Bodens reduziert.

4. Erosionsschutz direkt aufs Handy

Was hilft der optimierte Düngeverbrauch oder die punktgenaue Saatbeetbereitung, wenn ein regenreiches Frühjahr ausreicht, um Ihre kompletten Flächen zu überschwemmen und unbestellbar zu machen?

Um Ihre Erträge nachhaltig zu sichern, sind Maßnahmen, der Bodenerosion wirksam Paroli zu bieten, oberstes Gebot. Erfolgsfaktor Nummer eins bleibt hier eine frühzeitige und gleichmäßige Bodenbedeckung. Und auch hier kommen Ihnen die neuen mobilen Tools zur Hilfe.

Aktuell werden diverse Apps für Ihre Smartphones und Desktop- PCs entwickelt, mit deren Hilfe Sie direkt von Ihren Flächen Fotos (per Smartphone oder Kamera) hochladen bzw. verschicken können. Die Anbieter berechnen die vorliegende Bodenbedeckung und senden Ihnen das Ergebnis umgehend zu.

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