Tropanalkaloide: So schützen Sie Ihre Ernte vor Verunreinigung mit den Giftstoffen

Weißer Stechapfel – Urheber: saratm | Fotolia
Weißer Stechapfel

Tropanalkaloide sind heimtückisch: Es reicht eine einzige Pflanze, oder auch nur ein paar Samen, die diese Stoffe in hoher Konzentration beinhalten und die Ihnen in die Ernte geraten – und Sie können die ganze Partie vergessen. Dreschen Sie z. B. mit Ihrem Mais einen Stechapfel mit, so verteilt sich der giftige Saft der zu dem Zeitpunkt noch komplett grünen Pflanze auf Ihr Erntegut. Gelangen Samen von Stechapfel, Tollkirsche oder Bilsenkraut in die Ernte, können diese nur noch durch eine geeignete Technik aufwendig aussortiert werden. Vor allem, wenn Sie die besonders gefährdeten Kulturen anbauen, sollten Sie also über das Thema Tropanalkaloide Bescheid wissen und die entsprechenden Maßnahmen treffen, um eine Verunreinigung Ihrer Ernte möglichst zu verhindern.

Was sind Tropanalkaloide?

Tropanalkaloide sind sekundäre Pflanzeninhaltstoffe. Sie werden seit Jahrhunderten als Arzneimittel eingesetzt. Schon sehr geringe Mengen der Stoffe reichen aus, um zu gesundheitlichen Problemen zu führen. Dabei sind Babys, Kleinkinder und Menschen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden besonders gefährdet.

In welchen Pflanzen kommen sie vor?

Viele Pflanzen enthalten Tropanalkaloide, z. B. Kreuzblüten-, Nachtschatten- oder Windengewächse (z. B. die Ackerwinde). Für den Ackerbau relevant sind aber vor allem 3 Nachtschattengewächse mit besonders hoher Konzentration der Giftstoffe: Der Weiße Stechapfel, das Schwarze Bilsenkraut und die Schwarze Tollkirsche.

Welche Kulturen sind besonders gefährdet?

Durch eine Verunreinigung mit tropanalkaloidhaltigen Pflanzen sind vor allem die späten Kulturen gefährdet. Die Aussaat fällt mit der Keimzeit der Unkräuter zusammen. Die späte Keimzeit und das langsame Auflaufen lassen die unerwünschten Pflanzen gut gedeihen. Zu den gefährdeten Kulturen zählen: Mais, Hirse, Amaranth, Buchweizen, Lein, Sonnenblumen, Soja, Linsen.

Was können Sie gegen Tropanalkaloide tun?

So beugen sie Tropanalkaloiden vor

Die Samen von Bilsenkraut, Stechapfel oder Tollkirsche halten sich über sehr viele Jahre keimfähig im Boden. Mit einer Bodenbearbeitung im Sommer erwischen Sie zwar die gekeimten Pflanzen, nicht aber die Samen. Deshalb gilt: Sollten Sie schon einmal oder sogar mehrfach Probleme mit Tropanalkaloiden gehabt haben, so gehen Sie das Thema über die Fruchtfolge an. Halten Sie den Anteil an gefährdeten Kulturen gering und bauen Sie diese nicht nacheinander auf dem gleichen Schlag an.

So kontrollieren Sie Ihre Kulturen

Für die Vermeidung von Verunreinigungen kommt der Kontrolle die größte Bedeutung zu. Hierfür müssen Sie die gefährdeten Kulturen abschreiten, auf der Suche nach den giftigen Unkräutern. Der richtige Zeitpunkt hierfür ist nach der letzten Überfahrt mit Striegel oder Hacke (ein 2. Hackgang kann hier sehr sinnvoll sein) und vor dem Bestandsschluss. In hochwachsenden Kulturen (Mais, Hirse) gehen Sie am besten durchs Feld, wenn die Pflanzen maximal hüfthoch stehen und Sie noch mehrere Reihen auf einmal überblicken können. In niedrigwachsenden Kulturen sehen Sie die unerwünschten Unkräuter später eher besser. Bei Soja und Buchweizen können Sie bis kurz vor dem Drusch warten.

Wichtig ist auch eine Kontrolle der Zwischenfrüchte. Stechapfel, Bilsenkraut und Co. haben es gerne warm, und die Mischungen für den Zwischenfruchtanbau kommen gerne aus wärmeren Gegenden. Sind die Samen einmal im Boden, ist es schwer, sie wieder loszuwerden.

Kontrollieren Sie auch die Randstreifen Ihrer Flächen. Achten Sie dabei zudem auf die Ackerwinde: Sie enthalten zwar nur eine geringe Konzentration der giftigen Alkaloide und machen auf dem Acker kaum Probleme. Sie sollten sie trotzdem daran hindern, sich weiter auszubreiten.

Tipp: Sehen Sie sich (z. B. im Internet) Bilder von Stechapfel, Bilsenkraut oder auch Tollkirsche gut an, damit Sie die Pflanzen sicher erkennen können. Nehmen Sie auf Ihren Kontrollgang Handschuhe, Handhacke und eine große Mülltüte mit!

So entfernen Sie Tropanalkaloide

Wenn Sie bei Ihrem Kontrollgang tropanalkaloidhaltige Unkräuter finden, entfernen Sie die Pflanzen und packen Sie sie in den Müllsack. Weißen Stechapfel und Schwarze Tollkirsche können Sie ausreißen bzw. abschneiden. Beim Schwarzen Bilsenkraut achten Sie unbedingt darauf, die ganze Wurzel mit auszugraben (wie bei der Ackerkratzdistel können hier auch kleine Teilstücke wieder austreiben). Tragen Sie hierbei unbedingt Handschuhe, denn schon eine Berührung mit den Blättern des Bilsenkrautes kann Ihre Haut unangenehm reizen.

Nach der Ernte: Wo ein erhöhtes Risiko für eine Verunreinigung mit Tropanalkaloiden besteht, sollten Sie mit dem Erntegut besonders achtsam verfahren. Dazu gehören möglichst wenig Bewegung der Partie, eine frühe Reinigung (damit sich eine eventuell bestehende Verunreinigung nicht weiter ausbreiten kann) sowie eine besondere Gründlichkeit bei der Reinigung (Vorreinigung bei Schälware, besondere Geräte, mehrere Durchgänge).

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