Jakobs-Kreuzkraut: So gefährlich ist es für Ihre Tiere und das können Sie gegen das giftige Kraut tun

Jakobs-Kreuzkraut – Urheber: Alexander | Fotolia
Jakobs-Kreuzkraut

Das Jakobs-Kreuzkraut ist für Sie als Landwirt oder/und Pferdehalter kein gern gesehener Gast. Jakobs-Kreuzkraut enthält höhere Konzentrationen an hochgiftigen Pyrrolizidin-Alkaloiden und kann für Ihre Weidetiere grundsätzlich gefährlich werden. Die Giftstoffe reichern sich im Körper an. Erhöhte Werte der Jakobs-Kreuzkraut- Giftstoffe im Honig können sogar für den Menschen eine Gefahr darstellen. Das „Kompetenzzentrum Jakobs-Kreuzkraut“ der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein klärt über die Gefahren des gelb blühenden heimischen Unkrauts auf und gibt Empfehlungen, wie Sie als Landwirt mit dem Thema am besten umgehen.

Jakobs-Kreuzkraut profitiert von Extensivierung

In den letzten Jahrzehnten wurde das gelblich blühende Gewächs im Rahmen einer intensiveren Landwirtschaft durch den Einsatz von Spritzmitteln kurz gehalten. Mittlerweile haben sich die Dinge gewandelt. Die zunehmende Extensivierung auf Feldern, Wiesen, aber auch auf den Grünstreifen entlang der Straßen und Eisenbahnstrecken bietet für Jacobaea vulgaris, so der lateinische Name, neue Lebensräume. Die Bestände haben deutlich zugenommen, was vor allem während der Hauptblütezeit des Jakobs-Kreuzkrautes im Hochsommer gut zu erkennen ist. Durch diese Entwicklung machen sich Rinder- und Pferdehalter als direkte Nachbarn extensivierter Flächen ernsthafte Sorgen um die Futtergrundlage ihrer Tiere.

Es laufen viele Diskussionen und es herrscht viel Unwissenheit. Sowohl bei den Kritikern als auch bei den Protagonisten weiterer Extensivierungen bestehen Wissenslücken. Leider wird eine offene und lösungsorientierte Diskussion immer wieder durch ideologisch oder interessenpolitisch gefärbte Einwürfe erschwert.

Info: In Schleswig-Holstein setzt sich vor allem die „Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein“ mit dem Jakobs-Kreuzkraut auseinander. Diese Körperschaft managt derzeit etwa 35.000 ha an land- und forstwirtschaftlichen Flächen, das entspricht in etwa 2 % der gesamten Landesfläche Schleswig-Holsteins. Der Fokus liegt dabei auf dem Naturschutz und der Erhöhung der Artenvielfalt. Daher ist diese Stiftung ein zentraler Ansprechpartner in der Diskussion um das Jakobs-Kreuzkraut.

Wie groß ist die Kreuzkraut-Gefahr für Ihre Tiere?

Was die Gefahr des Jakobs-Kreuzkrauts für Tiere anbelangt, so wird vonseiten der Stiftung zunächst relativiert. Eine akute Vergiftung sei auszuschließen, weil ein Tier unrealistisch große Mengen dieses Krauts aufnehmen müsste: Ein Pferd müsste demnach zwischen 40 und 80 g Frischpflanze pro Kilogramm Körpergewicht fressen, um daran zu sterben. Bei Kühen sind es etwa 120 g pro Kilogramm Körpergewicht. „Da besteht bei den Tieren schon eine natürlich ,Essbremse‘, die vor der Aufnahme derart großer Mengen schützt“, erklärt Janna Ruge vom Kompetenzzentrum Jakobs-Kreuzkraut. Normalerweise selektieren gerade Pferde ihr Futter stark. Dafür brauchen die Tiere intakte Sinne und ein ausreichendes Futterangebot. Ob Rind oder Pferd: Zu viele Tiere auf einer zu kleinen (Stand-) Weide erhöhen das Risiko, dass ungesunde Mengen Jakobs- Kreuzkraut aufgenommen werden. Bei Pferden kommt hinzu, dass sie deutlich älter werden, sodass die angereicherten Giftstoffe Zeit haben, die Leber chronisch zu schädigen.

Jakobs-Kreuzkraut in Heu und Honig

Auch über die Gefahren von Jakobs-Kreuzkraut in Ihrem Heu oder Ihrer Grassilage bietet die Stiftung Informationen an, um die Diskussion zumindest zu versachlichen. Ähnliches gilt für die Gefährdung durch die Übertragung von Pollen durch Bienen in den Honig. Die Belastung in deutschem Honig sei gering, offizielle Grenzwerte würden aber noch fehlen. Hier werde aber geforscht. Um einer Belastung von Honig aus dem Weg zu gehen, sollten Wanderimkereien bei der Wahl ihrer Standplätze auf das Auftreten von Jakobs-Kreuzkraut achten. Die Rede ist hier von einem Radius von etwa 500 m. Gegebenenfalls macht es Sinn, das Jakobs-Kreuzkraut durch eine Mahd der betroffenen Flächen auszuschalten.

Diese Maßnahmen helfen gegen das Jakobs-Kreuzkraut

Bodenbearbeitung und Ausmahd

Auf Grünlandflächen lässt sich die Ansiedlung von Jakobs- Kreuzkraut durch eine ganze Reihe bewährter Maßnahmen verhindern. Hierzu zählen das Schleppen, Walzen, Striegeln, Düngen, die Nach- und Übersaat sowie die Nachmahd. Prüfen Sie Ihre Flächen regelmäßig auf den Befall von Jakobs- Kreuzkraut. Einzelne Pflanzen können rechtzeitig vor der Aussamung von der Fläche ausgerissen oder ausgestochen werden.

Die Flugweiten der Früchte des Jakobs-Kreuzkrauts sind eher kurz. Bei stark belasteten Flächen sollten Sie daher versuchen bzw. anmahnen, die Ausbreitung auf unbelastete Nachbarflächen durch das Mähen eines 30 bis 50 m breiten Pufferstreifens zu verhindern. Die Mahd sollte dabei erst in der Vollblüte, aber vor der Aussamung erfolgen.

Spezielle Populationsdynamik: Nicht aktiv werden kann auch helfen

Spannend ist der Ansatz, bei einem Auftreten von Jakobs- Kreuzkraut nicht aktiv zu werden. So haben Untersuchungen auch in Schleswig-Holstein gezeigt, dass sich die Jakobs- Kreuzkraut-Pflanzen in unbehandelten Beständen zunächst Jahr für Jahr massenhaft vermehrten. Dann aber brach der Bestand innerhalb weniger Jahre in sich zusammen. Mittlerweile finden sich auf diesen Flächen nur noch wenige Einzelpflanzen. Forscher arbeiten daran, um weitere Informationen über diese spezielle Populationsdynamik zu erarbeiten.

Biologische Verfahren zur Bekämpfung des Jakobs-Kreuzkrauts mit großem Wirkungspotenzial

Der Einsatz chemischer Maßnahmen schließt sich auf Naturschutzflächen aus. Spannend gestalten sich derzeit die Bemühungen, das Auftreten des Jakobs-Kreuzkrauts durch biologische Verfahren zu begrenzen. Infrage kommt hier z. B. der Einsatz von natürlichen Fraßfeinden. In Kalifornien konnte das Auftreten von Jakobs-Kreuzkraut durch eine Kombination aus Jakobs-Krautbär (Tyria jacobaeae) und Jakobs-Kreuzkraut- Flohkäfer (Longitarsus jokobaeae) nahezu vollständig verhindert werden. Durch eine wohldosierte Kombination dieser beiden Antagonisten wurden die Blüten des Jakobs- Kreuzkrauts im Sommer ebenso stark beeinträchtigt wie der Wurzelhals, die Stängel und die Blattstiele im Winterhalbjahr. Für die hiesigen Verhältnisse liegen derzeit noch keine Erfahrungen vor. An der Kieler Christian-Albrechts-Universität wird in einem entsprechenden Forschungsprojekt an dieser Aufgabe gearbeitet. Ergebnisse werden aber erst für 2020 erwartet.

Tipp: Weitere Informationen rund um das Jakobs-Kreuzkraut finden Sie auf der Website des Kompetenzzentrums.

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