Superfood Quinoa – für wen sich der Anbau lohnt

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Quinoa

Mit dem sogenannten Superfood ist das ja so eine Sache. Nicht nur über dieses Kunstwort, das seit einiger Zeit in keiner Meldung rund um gesunde Lebensmittel fehlen darf, sondern auch über die Nahrungsmittel, die als Superfood bezeichnet werden, lässt sich trefflich streiten. Studien, die den enorm hohen Nährstoffgehalt von Goji-Beeren, Quinoa & Co. propagieren, werden ebenso schnell von Studien widerlegt, die genau das Gegenteil behaupten. Doch was bleibt, sind eine steigende Nachfrage und hohe Margen – aber nicht alles spricht dafür, ein Quinoa-Experiment zu wagen.

Das getreideähnliche Gewächs verdankt die steigende Importnachfrage auf dem europäischen Markt seinen glutenfreien und vitaminreichen Samen. Doch kritische Stimmen werden immer lauter, die die Einfuhr dieser – fast ausschließlich – in Südamerika angebauten Kultur als nicht nachhaltig bezeichnen. Der Anbau in Deutschland könnte vor diesem Hintergrund weiter an Attraktivität gewinnen.

Wie Sie Quinoa in Ihre Anbauplanung integrieren

Insgesamt ist Quinoa sehr anspruchslos, sodass sich sogar jene Ackerböden eignen, auf denen anspruchsvollere Getreidearten nicht gedeihen würden. Für die Aussaat eignen sich lockere, möglichst unkrautfreie Böden. Nicht möglich ist allerdings der Anbau auf staunassen Böden. Schon das ursprüngliche Anbaugebiet in den Anden macht deutlich, wie gut Quinoa auch in höheren Lagen gedeiht, da sie Frost und Dürre verträgt. Sie können die einjährige Kulturpflanze gut vor Kartoffeln, Mais oder anderen Getreidesorten anpflanzen. Weniger gut geeignet sind hingegen jene Vorfrüchte, die bereits hohe Mengen an Stickstoff im Boden hinterlassen.

Die Aussaat erfolgt zwischen Mitte und Ende April. Pro Quadratmeter Boden säen Sie 100 bis 200 saatfähige Samen aus (Aussaatstärke 3 bis 6 kg/ha), bei einem Reihenabstand von etwa 30 bis 50 cm. Die krautige Pflanze wird 50 bis 150 cm hoch und besitzt einen vielfach verzweigten Stängel. Charakteristisch sind dicke rhombische Blätter mit gezähntem Rand, die Frucht ist rund 2 mm groß und ähnelt einer Nuss.

Besonderheiten bei Pflanzenschutzmitteln und Düngung

Auf gut versorgten Böden ist keine Düngung nötig. Sie sollten maximal 80 kg N/ha kurz vor dem Anbau bis nach dem Aufgang düngen, da es sonst zu Abreifeproblemen kommen kann. Selbst wenn bisher noch keine wirtschaftlich bedeutenden Krankheiten und Schädlinge festgestellt wurden, hat der Anbau mehrere Haken. So sind beim Anbau von Quinoakulturen keine Herbizide zugelassen. Einer drohenden Verunkrautung können Sie entsprechend nur mechanisch (Blindstriegeln) Herr werden und diese händisch durchführen. Und Sie werden auch um ein- bis 3-maliges Hacken bis zu einer Wuchshöhe von 10 bis 15 cm nicht herumkommen.

Kommt es zum Unkrautbefall, müssen Sie mit hohem Arbeitsaufwand händisch eingreifen. Im späteren Entwicklungsverlauf schließt Quinoa die Reihen und unterdrückt so die Unkräuter. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass Quinoa nicht vom heimischen Unkraut Chenopodium album (Gänsefuß) unterscheidbar ist.

Die Ernte erfolgt von Ende August bis Ende September, teils auch bis Mitte Oktober. Achtung! Die Körner müssen trocken und ohne grüne Blätterreste sein und dürfen nicht verkleben. Sonst verklebt auch der Mähdrescher, der Quinoa erntet.

Tipp: Stellen Sie die Dreschtrommeldrehzahl auf niedrig und den Dreschkorb eng (bei einem normalen Getreideschneidwerk).

Der zu erreichende Ertrag schwankt recht stark, zwischen 700 und 1.200 kg pro Hektar Anbaufläche.

Diese 3 Probleme können Ihrem Quinoa-Anbau gefährlich werden

1. Problem: Zum Erntezeitpunkt weisen die Körner häufig ungleiche Reifegrade auf, Sie produzieren so oft hohe Ausschussquoten.

2. Problem: Der notwendige vollständige Verzicht auf den Herbizideinsatz erhöht Ihren Arbeitsaufwand deutlich und auch Ihr Risiko.

3. Problem: Nach der Ernte müssen Sie die Körner beispielsweise noch mit einer Getreidetrockenmaschine trocknen. Und bevor sie als Lebensmittel eingesetzt werden können, muss die bittere Schale noch (z. B. in einer Industriemühle) entfernt werden. Nicht zu vernachlässigen ist auch der anfallende Arbeitsaufwand für den notwendigen abschließenden Reinigungsprozess. Insbesondere die zusätzlich notwendige aufwendige Weiterverarbeitung bereitet in vielen Fällen Probleme und kann Ihren Ertrag empfindlich schmälern.

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