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So schaffen Sie mit Hecken einen äußerst nützlichen Lebensraum

Hecke anlegen – Urheber: Olga Ionina | Fotolia
Hecke - Thujas Brabant

Hecken bilden einen speziellen Lebensraum mit eigenem Mikroklima: Bis zu 900 Arten tummeln sich hier, wo es schattiger ist als auf freier Flur, aber lichter als im Wald. Beim Thema Hecke geht es ums große Ganze, um ein ganzheitliches Verständnis von Natur und Landwirtschaft. Es ist nicht möglich, die Kosten der Anlage und Pflege der Hecken genau zu beziffern und gegen die „Schadwirkung“ auf Ihr Feld in genauen Zahlen abzuwägen. Die Hecke steht der industrialisierten Landwirtschaft, die vor allem auf den kurzfristigen Gewinn blickt, in ihrem ganzen Wesen entgegen. Gerade deshalb lohnt sich die Überlegung, eine neue Hecke anzulegen! Mit einer Hecke schaffen Sie ein Werk auch für die künftigen Generationen. Hier finden Sie eine Anleitung, wie Sie sich Schritt für Schritt dem Projekt „Hecke“ annähern. Wenn die Annäherung gut klappt, können Sie zum optimalen Pflanzzeitpunkt im Herbst mit Ihrem Werk beginnen.

Früher war es einfacher: Dass sich die mit einer Hecke anfallende Arbeit lohnt, war so sichtbar wie klar. Hecken waren Windschutz, unüberwindliche Grenze und Schatten für Weidetiere, Einteilung der Felder, Lieferant von (Brenn-)Holz, vitaminreichen Früchten und Kräutern. All die Veränderungen der letzten Jahrzehnte haben dazu geführt, dass Hecken deutlich weniger wertgeschätzt werden. Dabei bringen sie auch in der heutigen Welt viele agrarökologische Vorteile mit sich.

Was sind dir Vorteile von Hecken

Hecken

  • schützen vor Bodenerosion durch Wind,
  • sorgen für Wasserrückhalt in der Fläche,
  • bieten Lebensraum für nützliche Insekten (Marienkäfer, Schweb- und Florfliege) und Vögel (als Nützlinge; wissenschaftlich erwiesen fördert ihr Gesang die Fotosynthese der Pflanzen!),
  • bieten Weidetieren Schatten (wird durch den Klimawandel immer wichtiger!) sowie Schutz vor Wind und Regen, können Zäune effektiv ergänzen oder ersetzen,
  • dienen als Ansitz für Raubvögel,
  • tragen viel zum Erhalt der Artenvielfalt bei: als Nahrungsbiotop, Ort für Brut und Aufzucht der Jungen, als Ruheplatz und Winterquartier sowie als Verbindungselement zwischen Lebensräumen,
  • dienen als Lieferant von (wertvollem) Nutzholz oder Hackschnitzeln.

Untersuchungen zeigen, dass Hecken die absoluten Champions in der Ausnutzung von Boden und Sonnenlicht sind. Dazu kommt: Hecken sind schön, sie strukturieren die Landschaft und gehören zu einem stimmigen Bild einfach dazu. Wenn sich in Ihrer Familie jemand gerne mit der Verwendung von Wildkräutern und -früchten auseinandersetzt, bieten Hecken ein wahres Paradies: Hagebutte, Kornelkirsche, Holunder, Brombeere oder Haselnuss wachsen hier, dazu kommen im Heckensaum die vitaminreichen Frühlingskräuter wie Vogelmiere, Knoblauchsrauke oder Giersch sowie ausdauernde Sonnenkräuter wie Johanniskraut, Beifuß oder Dost.

Und natürlich können Sie auch heute noch die Hecke als Holzlieferant nutzen, auf längere Sicht auch für sehr wertvolle Holzarten.

Welche Nachteile bringen Hecken mit sich?

  • Die Anlage und Pflege kosten Geld und Zeit.
  • Eine neue Hecke nimmt eventuell erstmal wertvollen Ackerboden „weg“ und wirft zudem bald Schatten.
  • Schädlinge wie Mäuse oder gewisse Insekten fühlen sich in der Hecke wohl.

In 5 Schritten gestalten Sie Ihr Projekt „Hecke“

Für die Planung einer Hecke sind einige Überlegungen wichtig. Wenn Sie sich zum Projekt „Hecke“ hingezogen fühlen, bauen Sie diese ab sofort in Ihren Arbeitsalltag ein: Draußen am Feld können Sie sich geeignete Standorte überlegen bzw. genauer ansehen. Wenn Sie an einer bestehenden Hecke vorbeikommen: Lassen Sie sich inspirieren. Und wenn Sie aus einem anderen Anlass zum Amt müssen: Fragen Sie bei der Gelegenheit auch gleich mal zu den Bestimmungen in puncto Heckenanlage nach. Und sprechen Sie natürlich mit Ihrer Familie über die Idee!

1. Welcher Standort kommt infrage?

Hecken eignen sich gut, um Schlaggrenzen zu markieren. Ökologisch gesehen machen besonders die mehrreihig bepflanzten Hecken Sinn, die mindestens 5 m breit werden dürfen und zudem in Abgrenzung zum Ackerland auf einer oder sogar beiden Seiten einen Krautsaum behalten. Geeignete Standorte sind dafür insbesondere entlang von Wegen oder Bächen und an Orten, wo die Bewirtschaftung sowieso erschwert ist (Böschungen, Dämme, spitze Ecken etc.).

Nicht infrage kommen typische Wiesenbrüterregionen bzw. Standorte, die bereits jetzt durch ihre ausgeprägte Trockenheit- oder Feuchte eine hohe Artenvielfalt aufweisen.

Eine Hecke wird immer parallel zur Bewirtschaftungsrichtung angelegt. Im Nord-Süd-Verlauf vermindert sich der Schattenwurf. Die Hecke darf den Nachbarn nicht beeinträchtigen, hier gelten gesetzliche Mindestabstände. Idealerweise können Sie ihn mit ins Boot holen!

2. Welche Art von Hecke soll es sein?

Hecken sind extrem unterschiedlich. Sie können aus einer oder mehreren Reihen bestehen, aus einer oder mehreren Arten. Sie können stets niedrig gehalten werden oder von hohen Bäumen durchsetzt sein. Auch ein unregelmäßiger Verlauf ist denkbar. In einigen Gegenden haben Hecken eine quasi einheitliche Grundausprägung und natürlich ist die Auswahl der Pflanzen abhängig vom individuellen Standort. Fragen Sie bei Ihrer Naturschutzbehörde bzw. einem Naturschutzverband nach! Abgesehen davon bleiben Ihnen aber bei der Anlage einer Hecke viele Freiheiten. Sie entscheiden, was Ihnen am wichtigsten ist: Soll die Hecke einen bestimmten Nutzen erfüllen (Viehzaun, Holzlieferant etc.)? Lebensraum für besonders viele Arten bieten? Oder einfach schön blühen und viele Früchte tragen?

3. Welche Fördermöglichkeiten gibt es?

Wenn Sie sich einen Standort für eine mehr oder weniger bestimmte neue Hecke vorstellen können, informieren Sie sich unbedingt zu den Fördermöglichkeiten. Diese sind von Land zu Land verschieden. Teilweise sind mit der öffentlichen Förderung bestimmte Pflichten in der Pflege verbunden, teilweise sind die Gelder als Ausgleich für den Flächenverlust definiert. Informieren Sie sich bei Ihrem Amt. Dort sollten Sie auch nach weiteren gesetzlichen Bestimmungen rund um die Anlage von Hecken fragen.

Tipp: Halten Sie zusätzlich nach privaten Hilfen Ausschau. Stiftungen, Landkreise, Landschaftspflegeverbände, Jagdverbände etc. greifen Ihnen bei der Anlage einer Hecke vielerorts finanziell oder tatkräftig unter die Arme. Naturschutzverbände können hierzu meist weiterhelfen.

4. Können Sie die Kosten stemmen?

Können (und wollen) Sie die Kosten für eine neue Hecke stemmen? Genauere Angaben zu den Kosten sind nicht möglich, dafür ist jede Hecke zu unterschiedlich in Länge und Beschaffenheit. Einplanen müssen Sie:

  • Kosten für das Pflanzgut
  • Kosten für den Zaun, den Sie zum Schutz vor Wild (Verbiss, Fegeschäden) für die ersten Jahre um die Hecke herum anlegen müssen (eine Kostenminderung ist z. B. durch gebrauchtes Material möglich)
  • die Arbeitskraft für Anlage und Pflege
  • die Höhe der staatlichen bzw. eventuell auch privaten Förderung

5. Können Sie die Pflege stemmen?

Ungepflegte Hecken gibt es genug: Von ihnen ist meist nicht mehr als eine Baumreihe übrig. Wenn Ihre Hecke gewisse Funktionen (nicht zuletzt: Artenschutz!) erfüllen soll, gilt es, sie zu pflegen. Die Maßnahmen, bei denen Sie per Schnitt in die Hecke eingreifen, fallen ausschließlich in den Zeitraum Oktober/ November bis Februar. Das kommt ungefähr auf Sie zu:

  • im ersten Jahr bei starker Trockenheit: wässern
  • in den ersten 3 bis 4 Jahren: ein- bis 2-mal pro Jahr ausmähen
  • in den Folgejahren: regelmäßig die schnell wachsenden Arten zugunsten der langsamen zurückschneiden
  • alle ein bis 3 Jahre den Krautsaum mähen
  • alle 7 bis 15 Jahre „auf Stock setzen“. Dabei wird niemals die ganze Hecke, sondern immer nur abschnittsweise ganz heruntergeschnitten. Sie bearbeiten also in mehreren Jahren hintereinander jeweils einen Teil der Hecke in dieser radikalen Form.
  • immer wieder mal zu groß gewachsene Bäume entnehmen („plenterartige Entnahme“)

Hecken konkret: 3 weitere Schritte

Wenn Sie sich durch diese Überlegungen zumindest vorläufig für das Projekt „Hecke“ an einem bestimmten Standort entschieden haben, folgen die nächsten Schritte:

  1. Pflanzplan: Einen möglichst detaillierten Plan über Art und Anzahl der Pflanzen brauchen Sie auf jeden Fall. Erst dann macht es Sinn, Angebote für Pflanzgut einzuholen. Planen Sie bei langen Hecken Durchlässe für das Wild ein.
  2. Pflanzgut: Für Sie als Öko-Betrieb gilt: Bei Verfügbarkeit müssen Sie ökologisches Pflanzgut einsetzen. Das wird längst nicht immer möglich sein, aber Sie sollten sich nach einer ökologisch arbeitenden Baumschule in der Nähe erkundigen. Auf jeden Fall sollten Sie nur Pflanzen verwenden, die regionaltypisch sind und auch direkt aus der Region kommen.
  3. Zaunbau: Den Schutzzaun aus Pfählen und Drahtgeflecht sollten Sie schon vor der Pflanzung errichten, damit Sie dabei nicht auf die empfindlichen Jungpflanzen achten müssen. Planen Sie eine Einlassstelle ein.

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