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Wie Sie Lagergetreide langfristig vorbeugen und Ihre Erträge sichern

Urheber: D.Pietra | Fotolia
Lagergetreide durch Sturm

Ganz gleich, ob Sie selbst ernten oder auf die Dienste eines Lohnunternehmers zurückgreifen: Muss sich der Mähdrescher durch Lagergetreide kämpfen, schnellen Dieselverbrauch und Zeitaufwand – und damit Ihre Kosten – in empfindliche Höhen. Ganz zu schweigen von den Folgekosten, wenn es zum Auswuchs kommt. Wie Sie diese jedoch möglichst gering halten und an welche Punkte Sie im Frühjahr ranmüssen, lesen Sie hier.

Potenzielle Ernteprobleme gibt es wie Sand am Meer. Hat man eines im Griff, ist das nächste Problem meist nicht weit. Glücklicherweise kommen nicht alle völlig unverhofft, sondern einige lassen sich bereits viele Monate vor der Ernte erahnen und in Fällen auch reduzieren, wie z. B. das Lagergetreide. Warum sich ein frühzeitiges Eingreifen lohnt, wird spätestens bei folgender Kurzübersicht der schlimmsten Kostenfallen durch Lagergetreide deutlich.

Wie stark belastet Lagergetreide die Erträge?

Verringerte Fahrgeschwindigkeit des Mähdreschers verursacht längere Erntezeiten und höhere Erntekosten z. B. durch

  • steigende Lohnkosten
  • steigende Maschinenstunden
  • steigenden Kraftstoffverbrauch
  • steigende Maschinenreparaturkosten

Verlängerte Ernte verzögert auch die Ausbringung der Folgefrüchte etwa mit:

  • negativen Auswirkungen auf die weiteren Betriebsabläufe
  • steigendem Anbaurisiko
  • ggf. zu geringer Zeit für die Vorwinterentwicklung

Beim Lagergetreide müssen Sie mit Ausfällen rechnen, da es

  • in seiner weiteren Ausbildung gestört ist und daher nur unvollkommen ausgebildete Körner liefert,
  • Rost- und anderen Pilzbefall erleichtert, da die Widerstandskraft der Kulturpflanzen geschwächt ist.

Lagergetreide adé: So sieht Ihr optimaler Frühjahrsfahrplan aus

Nun ist es nach der langen Herbst- und Winterzeit so weit, Sie sind am Zug und können endlich wieder aktiv die Entwicklung Ihrer Bestände gestalten. Grundsätzlich werden Wetterextreme und ein verspäteter Erntezeitpunkt als Hauptverursacher des Lagergetreides angeführt. Doch das greift zu kurz. Denn auch Lichtmangel kann dazu führen, dass die unteren Internodien des Getreidehalms übermäßig verlängert werden, während die Verholzung der Zellen nicht optimal möglich ist und so die Lagerbildung begünstigt.

Mit einem Einsatz von Wachstumsreglern können Sie dafür sorgen, dass das Längenwachstum reduziert und so die Standfestigkeit erhöht wird. Doch es winken noch weitere Vorteile für Ihre Flächen.

8 Vorteile durch den Einsatz von Wachstumsreglern

  • Sie verbessern die Standfestigkeit und verhindern so Mindererträge durch frühes Lagern.
  • Sie können des Weiteren bestandsregulierende Effekte (Triebzahl/ Bestandsdichte) erreichen, wenn Ihre Bestände beispielsweise nach einem milden Winter zu dicht geraten sind.
  • Sie erreichen eine gleichmäßigere Abreife und verhindern so Reifeverzögerungen.
  • Sie reduzieren Zwiewuchs und Unkrautdurchwuchs.
  • Durch den geringeren Auswuchs können Sie Qualitätsverluste beim Erntegut verhindern.
  • Sie erreichen eine Verminderung des Ährenknickens und so geringere Verluste durch Schnittähren.
  • Sie können mit höherer Druschleistung rechnen.
  • Ihre Trocknungskosten werden sich reduzieren.

Doch die Vorteile täuschen auch nicht darüber hinweg, dass mit der Gabe von Wachstumsreglern auch Nachteile bzw. Risiken für Ihre Erträge verbunden sind. Vorsicht ist insbesondere geboten, wenn Ihre Bestände durch Frost, Hitze oder Wassermangel gestresst sind. Hier kann der Einsatz von Wachstumsreglern zu Ertragsdepressionen führen. In diesen Fällen sollten Sie die Aufwandmengen reduzieren oder den Einsatz verschieben.

Keinen Wachstumsregler einsetzen: 6 Fallbeispiele

  • Ihre Bestände sind gestresst.
  • Ihre Bestände lagern.
  • Ihre Bestände sind schlecht ernährt, dünn und geschwächt.
  • Der Kulturzustand Ihrer Böden ist schlecht.
  • Es herrscht Nachtfrost.
  • Sie bringen pralle Wuchsstoffherbizide auf.

Wann und wie setzt man den Wachstumsregler am besten ein?

Kultur, Sortenwahl, Bestandsführung und Stickstoffdüngung in Verbindung mit der Witterung entscheiden darüber, wie Sie Wachstumsregler am besten für Ihre Bestände einsetzen.

Tipp: Beste Ergebnisse können Wachstumsregler bei trockenem und sonnenreichem Wetter erzielen. Kaum eine Wirkung entfalten sie hingegen auf wasserreichen Böden und bei kühlen Temperaturen.

Achtung! Bereits der Vegetationsbeginn jetzt im Frühjahr hat großen Einfluss auf die notwendige Ausbringungsmenge. Je früher der Vegetationsstart ist, desto länger wachsen Ihre Bestände. Ein Start Anfang März führt entsprechend zu einer längeren Wachstumsphase und entsprechend längeren Halmen – mit steigender Bedarfsmenge.

Die größte Herausforderung für Sie als Ackerbauern ist es, in Abhängigkeit der jeweiligen Bedingungen die optimale Aufwandmenge zu bestimmen und aufzubringen. Schließlich kann eine zu hohe Aufwandmenge durch den zu starken Eingriff in das Pflanzenwachstum eine Ertragsreduktion bewirken. Bringen Sie hingegen eine zu geringe Aufwandmenge auf, erhöht sich wiederum Ihr Lagerrisiko. Zwischen beiden Extremen gilt es, die für Ihre Flächen optimale Menge zu bestimmen.

Mit der folgenden Checkliste können Sie die Besonderheiten Ihrer Flächen in die Aufwandmengenbestimmung einbeziehen.

Checkliste: 10 Prüfpunkte, mit denen Sie die optimale Aufwandmenge des Wachstumsreglers bestimmen

Ja Nein
Haben Sie früh ausgesät?
Lag der Vegetationszeitpunkt früh?
Haben Sie den Einsatzzeitpunkt früh gewählt?
Herrschen kühle Temperaturen vor?
Ist Ihr Boden schwer?
Sind die Böden gut gewässert?
Ist der Lagerdruck bereits hoch?
Ist eine hohe Stickstoffversorgung gegeben?
Weist die Sorte eine besondere niedrige Standfestigkeit auf?
Verzichten Sie auf Mischungen mit Fungiziden?

Je häufiger Sie hier „Ja“ ankreuzt haben, desto höher ist die Aufwandmenge für den Wachstumsregler auf Ihren Flächen.

Tipp: Achtung! Bei diesen Weizensorten müssen Sie aufgrund ihrer besonders niedrigen Standfestigkeit am ehesten mit Lagergetreide rechnen: Bussard, Capo, Discus, Magnus, Mescal, Smaragd, Akteur, Asano, Avenir, Barok, Bonanza, Boregar, Cubus, Elixer, Franz, Genius, Inspiration, Kerubinio, Kompass.

Was tun, wenn Lagergetreide sich trotz aller Vorsicht nicht verhindern ließ?

Gerade durch die Zunahme der extremen Wetterphänomene lässt sich die Entstehung von Lagergetreide nicht immer vermeiden. Im Fall der Fälle ist es wichtig, dass Sie auf einen Notfallplan zurückgreifen können, um keine Zeit zu verlieren und schnell zu handeln.

1. Maßnahme: Optimieren Sie die Schnittleistung

Vergeuden Sie keine wertvolle Zeit und riskieren Sie keine höheren Ernteausfälle, indem Sie auf minderwertiges oder veraltetes Material setzen. Dieses wird mit den gestiegenen Anforderungen nicht zurechtkommen. Durch die erhöhte Kornfeuchte ist ein schärferer Drusch erforderlich. Erhöhen Sie die Trommeldrehzahl und erweitern Sie den Dreschkorb, um die optimale Leistung zu erhalten.

2. Maßnahme: Positionieren Sie Ährenheber und Haspel richtig

Verzichten Sie bei den äußeren Fingern auf die Ährenheber. Und setzen Sie nur bei jedem 3. bis 4. Finger Ährenheber ein. So vermeiden Sie unnötige Verstopfungen.

Setzen Sie die Haspel bei Lagergetreide dazu ein, das Getreide vom Boden zu heben und zu vermeiden, dass das Schneidwerk darüber gleitet, ohne es aufzunehmen. Dafür setzt die Haspel weiter vor dem Messer an.

3. Maßnahme: Optimieren Sie die Einstellungen des Halmteilers und des Schneidwerks

Mit der Einstellung des Halmteilers auf die optimale Höhe sorgen Sie dafür, dass die nach außen fallenden Halme nicht überfahren werden und die abgeschnittenen Ähren somit liegen bleiben.

Messer, Finger und Ährenheber hingegen stellen Sie – auf glattem Untergrund und mit beidseitig konstantem Reifendruck – in einem Winkel zwischen 12 bis 15 Grad an.

Stellen Sie das Schneidwerk auf „Sturz“, haben Sie die besten Möglichkeiten, das Lagergetreide zu bearbeiten, da Sie das Erntegut so besser unterfahren und Schnittähren auch abnehmen können.

4. Maßnahme: Sichern Sie sich zusätzliche Kapazitäten

Prüfen Sie, ob Sie die aufwendigere Ernte mit den geplanten Ressourcen (z. B. beim Lohnunternehmer) bewältigen können oder ob Sie zusätzliche Maschinen/Helfer engagieren müssen.

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