Nachhaltiger Ackerbau – aktueller Stand und Zukunftsaussichten

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Nachhaltiger Ackerbau

Die Landwirtschaft steht unter Beschuss. Nitratbelastung der Gewässer, Insektensterben, Nutzung von in die Kritik geratenen Pflanzenschutzmitteln und einseitige Bewirtschaftung der Flächen. Zwar nimmt die Bevölkerung günstige Lebensmittel gerne an, doch wie diese produziert werden, gefällt immer weniger Menschen. Der Ruf nach mehr Nachhaltigkeit und umweltfreundlicheren Methoden wird ständig lauter. 2020 steht eine neue EU-Agrarreform an; Grund genug, sich einmal anzuschauen, wie es um den Umweltschutz im Ackerbau aktuell steht.

Ob das Sterben der Bienen oder der Rückgang der Artenzahl von Insekten – Biodiversität war in den letzten Jahren eines der größten Themen in der Diskussion um die Umweltverträglichkeit der intensiven Landwirtschaft. Neue, von der EU geförderte Maßnahmen, um dem Verschwinden der Tier- und Pflanzenarten entgegenzuwirken, laufen bereits seit 2015. Doch die Insekten verschwinden trotzdem. Ob die Strategien zu spät kamen oder einfach nicht ausreichen ist derzeit nicht feststellbar.

Biodiversität – was ist das?

Die Biodiversität beschreibt den Artenreichtum in Ökosystemen. Auch, wie viele Individuen innerhalb einer Spezies vorkommen, kann darüber definiert werden. Diese biologische Vielfalt ist ein wichtiger Begriff in der Biologie sowie der Umweltpolitik und dem Umweltschutz. Das Artensterben ist ein weltweites Problem, ausgelöst durch schwindende Lebensräume, Umweltverschmutzung und Klimawandel. Durch Erhalt und Förderung der Biodiversität soll verhindert werden, dass Tier- und Pflanzenarten regional verschwinden oder ganz aussterben. Eine hohe Biodiversität ist wichtig um funktionierende Ökosysteme zu bewahren.

Warum ist Biodiversität für die Landwirtschaft wichtig?

Kulturlandschaften mit hoher Vielfalt bieten auch Bestäubern wie Honigbienen, Wildbienen und Schmetterlingsarten sowie Bodennützlingen wie dem Regenwurm einen Lebensraum. Diese Insekten bereichern nicht nur die Ökosysteme, ohne sie wäre auch der Pflanzenbau wie wir ihn kennen nicht möglich. Die landwirtschaftliche Bearbeitung der Natur hat weitreichende Folgen:

  • Biotope werden zerstört
  • Böden und Gewässer werden belastet
  • wilde Tiere und Pflanzen werden durch Monokulturen und immer größere Äcker mit dem gleichen Pflanzenbestand gestört

Die Landwirtschaft ist also einer der größten Nutznießer und gleichzeitig bedeutender Feind der biologischen Vielfalt.

Insektensterben ist Realität – die Krefelder Studie

Seit fast 30 Jahren sammelt der Entomologischer Verein Krefeld e.V. Daten zur Vielfalt der Insektenarten an verschiedenen Standorten. Die Studie läuft noch bis 2021, doch kürzlich haben die Forscher ihre Zwischenergebnisse präsentiert. Bei den meisten Arten ist die Größe der Bestände rückläufig, nur wenige zeigen gleichbleibende oder gar steigende Ergebnisse.

Die Krefelder Studie zeigt, dass das Insektensterben in Deutschland längst Realität ist. Es besteht dringend Handlungsbedarf.

Wie sieht nachhaltiger Ackerbau aus?

Vom Dieselfahrverbot über Müllvermeidung bis hin zur Restriktion von Pflanzenschutzmitteln – das Thema Natur- und Klimaschutz ist komplex. So ist das auch mit dem Umweltschutz im Ackerbau. Dünger belastet Böden und Gewässer, Pflanzenschutzmittel töten Tiere und Wildpflanzen, bei jeder Fahrt mit dem Schlepper werden Treibhausgase ausgestoßen und Monokulturen nehmen Tiere den Lebensraum. Ansatzpunkte gibt es viele, um den Ackerbau nachhaltiger und umweltfreundlicher zu gestalten.

Um EU-Direktzahlungen zu erhalten, müssen Landwirte seit 2015 gewisse Greening-Auflagen erfüllen, durch die die Umsetzung der EU-Agrarpolitik gewährleistet wird. Ziel ist es, die Landwirtschaft drei maßgebliche Vorlagen erfüllt:

  • Erhalt von Dauergrünland
  • Fruchtartendiversifizierung
  • Bereitstellung von mindestens 5 Prozent Ökologischer Vorrangfläche (ÖVF) auf der Ackerfläche

Ökologische Vorrangflächen

5 Prozent ihrer Ackerflächen müssen Betriebe mit mehr als 15 Hektar Fläche für den Erhalt von EU-Direktzahlungen aktuell als Ökologische Vorrangfläche bereitstellen. Das sind zum Beispiel die Bepflanzung mit schnell wachsenden Baumarten, der Anbau von Zwischenfrüchten (z. B. bestimmte Kleesorten oder Grünroggen), die Schaffung und Erhaltung von Landschaftselementen wie Hecken oder Trockensteinmauern oder das Anlegen von Feld- und Pufferstreifen. Ziel dieser Maßnahmen ist es, wildlebenden Tier- und Pflanzenarten mehr Lebensraum zu bieten und so die Biodiversität zu fördern.

Auch im Bereich des Pflanzenschutzes tut sich etwas in Sachen nachhaltiger Bewirtschaftung. In der Ackerbaustrategie der deutschen Landwirtschaft setzen sich im Bauernverband organisierte Landwirte selbst 8 Kernziele. Darunter auch Schädlinge durch Fruchtfolge und Sortenwahl einzudämmen, um weniger Pestizide und Herbizide ausbringen zu müssen.

Auch eine effiziente Düngernutzung ist Teil der Strategie. So sollen Boden- und Gewässerbelastungen möglichst geringgehalten werden.

Die selbst gesteckten Ziele der deutschen Landwirtschaft sind löblich und können man durchaus als Leitlinie für erfolgreichen und gleichzeitig umweltfreundlicheren intensiven Ackerbau ansehen. Problematisch ist jedoch, dass die Beteiligung eines jeden einzelnen Landwirts nicht überprüft werden kann oder soll.

Mehr Natur um und auf Äckern – so könnte die Zukunft im Ackerbau aussehen

  • Der Gebrauch von Pflanzenschutzmitteln könnte weiter eingeschränkt, die Zulassung weiter erschwert werden. Aktuell fordert dies zum Beispiel die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD).
  • Die Nitratbelastung von Gewässern und Grundwasser sorgt weiterhin für ein erhöhtes Konfliktpotenzial. Lösen kann man dies durch ein verbessertes Dünge-Management sowie geringere Tierzahlen pro Hektar.
  • In der neuen Agrarreform könnte man den Anteil von Ökologischen Vorrangflächen auf 7 Prozent erhöhen. Dies fordern beispielsweise Umweltschützer.
  • Eine Umverteilung der Fördergelder in der neuen EU-Reform könnte Landwirte, die besonders viel für die Biodiversität tun, unterstützen.
  • Der Erfolg der Umweltprogramme und Maßnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt sollten messbar sein, um in Zukunft Strategien anpassen und verbessern zu können sowie neue Wege zu entwickeln.

Geld regiert auch Landwirtschaft und Umwelt

Politische Entscheidungen können der Natur unter die Arme greifen und Landwirten dabei helfen, neue Umweltziele anzugehen und umzusetzen. Maßnahmen für den Naturschutz müssen für Landwirte lukrativ sein, um Anreize zu schaffen, diese durchzuführen und die Möglichkeiten voll auszuschöpfen.

Eine gute Kommunikation zwischen Politikern, Landwirten, Naturschützern, Industrie und Verbrauchern trägt dazu bei, bei der Zielsetzung einen gemeinsamen Konsens zu finden. Landwirte, die zeigen, dass Umweltschutz ein fester Bestandteil bei der Pflege der Kulturlandschaften ist, sorgen für mehr Akzeptanz der Landwirtschaft in der Bevölkerung. Dies hilft, festgefahrene Meinungsverschiedenheiten zu lockern, was den Weg für neue Ideen und längst überfällige Kompromisse ebnet.

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