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14 Kostenspartipps für Landwirte – die besten Erfolgsaussichten

Urheber: Jakub Krechowicz | Fotolia
Kosten sparen in der Landwirtschaft

Günstig einkaufen, teuer verkaufen – und von der Marge leben Sie! Ich habe mich mit einigen Landwirten unterhalten und gefragt, an welchen Stellen sie sparen. Sie werden sich wundern, wie simpel einige Tipps umzusetzen sind.

1. Kraftfutter im Voraus über Verträge (bis 18 Monate)

Als Tierhalter sollten Sie sich überlegen, mit Ihrem Landhändler einen längerfristigen Vertrag über die Lieferung von Kraftfutter für Ihre Tiere abzuschließen. Mit dieser Strategie bieten Sie Ihrem Händler eine ganze Reihe von Aspekten, die seine Bereitschaft zur Leistung von Preisnachlässen steigern lassen sollte. Denn zunächst bieten Sie Ihrem Handelspartner die Gewähr, auch über einen längeren Zeitraum mit sicheren Umsätzen kalkulieren zu können. Das ist gerade in unsicheren Zeiten oder aber bei einem hohen Wettbewerbsdruck auf Landhändlerebene ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Zudem spart sich der Händler auf diese Weise eine nicht zu unterschätzende Summe an Verhandlungskosten. Natürlich macht es Sinn, Ihren Händler an diese Vorteile zu erinnern, wenn Sie mit ihm in Verhandlungen treten. Das könnte weitere 1/10 % Preisnachlass für Sie bedeuten.

Sicherlich könnte angemerkt werden, dass Sie sich auf diese Weise zu sehr an einen Händler binden und Ihren Handlungsspielraum einengen.

Andererseits haben Sie aber auch die Möglichkeit, sich erst dann auf einen längerfristigen Kontrakt einzulassen, wenn die Konditionen besonders günstig sind. Ich selbst habe bei Landwirten von Verträgen mit einer Dauer von 6 bis 18 Monaten gehört.

2. Eigenproduktion von Energiekraftfutter

Für manche viehhaltende Landwirte mag es sich rechnen, den Anteil des wirtschaftseigenen Energiefutters zu erhöhen. Sicherlich muss hier berücksichtigt werden, was unter den in Ihrer Region herrschenden Umweltbedingungen – Temperatur, Feuchtigkeit, Bodengüte etc. – möglich und lohnend ist.

Einige der befragten Landwirte erwähnen in diesem Zusammenhang auch, dass sie vor dem Hintergrund der Diskussion um die Verwendung von (gentechnisch verändertem bzw. nicht nachhaltig produziertem) Soja nach Alternativen suchen. Es wird darauf verwiesen, dass man durch den Einsatz von Alternativen vom heimischen Acker Wettbewerbsvorteile erzielen könnte.

Bei anderen Landwirten stehen Erwartungen im Vordergrund, die Kosten zu drücken. Kalkulieren Sie selbst, welche Konsequenzen sich hierbei auf und für Ihren Betrieb ergeben.

3. Besamung/Sperma

Bei den Milchbauern in meinem Bekanntenkreis wird spätestens seit Anfang 2016 kontrovers diskutiert, ob und wie man im Bereich der Besamung Geld sparen kann. So wird der Einsatz von Sperma exklusiver bzw. topaktueller Bullen auf vielen Betrieben massiv zurückgeschraubt. Stattdessen kommen Bullen zum Einsatz, die besonders günstig zu bekommen sind. Verzichtet wird hierbei aber auf die Möglichkeit, den züchterisch-technischen Fortschritt in der eigenen Herde einzubringen und zu nutzen. Ob es sich tatsächlich rechnet, auf diese Weise z. B. 10 €/Kuh und Jahr zu sparen, muss im Einzelfall überlegt werden.

4. Einsatz von Besamungsbullen

Es gibt Milchviehhalter, die sich im Zuge von Sparmaßnahmen dazu entscheiden, ganz auf die Besamung zu verzichten und stattdessen einen Deckbullen in die Herde geben. Teilweise laufen die Bullen in der Herde mit, teilweise kommen die Bullen in eine eigene Bucht, wo ihm bullende Kühe zugeteilt werden. Auch hier sollten Sie durchrechnen, ob sich diese Alternative für Ihren Betrieb lohnt.

Sicherlich ist es auf den ersten Blick schmackhaft, das Geld für die Spermaportionen und die Besamungsdienstleistungen zu sparen. Und es ist auch Zeit, die Sie für das Fixieren der Kühe sparen. Doch auch der Einsatz eines Deckbullen verursacht Kosten. Neben der Unterbringung sind auch Futter sowie die Anschaffungskosten des Tieres zu nennen. Und auch der Einsatz von Deckbullen wird an Ihrem Zeitkonto fressen.

5. Dünger oder Kalk reduzieren

Ob es Sinn macht, an der Versorgung der eigenen Ackerflächen zu sparen, sollte jeder Landwirt für sich selbst entscheiden. 2 der von mir befragten Landwirte haben sich dazu entschlossen, bei der Gabe von Dünger auf die Bremse zu treten. Dabei sind sich beide Befragten nicht sicher, ob diese Maßnahme sinnvoll ist. Denn schließlich bedeutet dies, dass die eigenen Flächen suboptimal versorgt sind, was sich auf die kommende Ernte auswirken könnte.

Gerade echte Ackerbauprofis zeigen sich in diesem Punkt skeptisch. Vielleicht lohnt dennoch ein Gespräch mit Ihrem Ackerbauberater, um zu entscheiden, ob man bei der Versorgung mit Dünger oder Kalk sparen sollte.

6. Rabattaktionen bei Messen nutzen

Messeangebote stehen bei einigen der befragten landwirtschaftlichen Sparfüchse ganz oben auf der Liste. Die Einsparmöglichkeiten sind je nach Befragtem recht unterschiedlich.

Die meisten der befragten Milchviehhalter nutzen die Angebote der Zuchtorganisationen. So gibt es Betriebe, die auf der alle 2 Jahre stattfindenden Messe Eurotier in Hannover den Großteil der benötigten Spermaportionen für das kommende halbe Jahr kaufen. Anderen gelingt es, beim Kauf von Kälberhütten oder Futterwagen Prozente herauszuhandeln.

Und selbst beim Kauf großer Schlepper bieten die zentralen Landtechnikmessen Gelegenheiten, einen günstigen Einkauf zu tätigen. Zwar wird auch hier darauf verwiesen, dass sich Händler und Landwirt bereits vor der Fahrt zur Messe im Grunde handlungseinig sind und der Messebesuch letztlich nur noch zur letzten Abrundung des Handels und des Rechnungsbetrages dient. Doch auch dieses Geld sollte nicht außer Acht gelassen werden.

7. Dünger per Kontrakt

Die Preise für Mineraldünger unterliegen im Jahresverlauf recht deutlichen Schwankungen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Neben dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage auf den Weltmärkten ist es z. B. der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar, die den Mineraldünger für Sie und Ihre Berufskollegen hierzulande teurer oder billiger machen.

Wer die Märkte beobachtet, der kann günstige Gelegenheiten erkennen, an denen der Kauf von Dünger vorab per Kontrakt lohnend sein kann. „Hier können Landwirte gutes Geld sparen“, so ein Berater.

8. Milchaustauscher per Kontrakt

Ein Milchviehhalter berichtete mir davon, dass er den Milchaustauscher für seine Kälber ebenfalls vorab über einen Kontrakt ordern würde. Konkreter wurde er aber nicht. In jedem Fall macht es Sinn, auch diesbezüglich mal bei Ihrem Händler nachzuhaken.

9. Einkaufsbündelung

Sie kennen Berufskollegen, die wie Sie einen oder mehrere spezielle Artikel erwerben möchten? Dann könnten Sie durch die Bündelung Ihrer Einkäufe einen größeren Auftrag zusammenstellen. Dieser ist für Händler zumeist interessanter, weil er bei der Abwicklung eines größeren Auftrags geringere Kosten bei der Abwicklung hat als bei der Abarbeitung vieler Einzelaufträge.

Beispiel: Wir haben so etwas schon einmal beim Einkauf von Verschleißteilen bei Ackergerätschaften durchexerziert. Etwa 20 Landwirte haben wie wir ihre Listen mit den benötigten Verschleißteilen zusammengestellt und wir haben diese dann in einer Excel-Tabelle vereint. Diese Liste haben wir an verschiedene Landtechnikhändler geschickt, die daraufhin ihre Gebote abgaben.

Wir wählten dann das Angebot aus, das uns am besten gefiel. Dadurch, dass wir uns auf nur eine Abladestation verständigt hatten, konnte der Händler auch zu wesentlich geringeren Fahrtkosten (z. B. Diesel, Zeit, Abschreibungen, Löhne) kalkulieren.

Am Liefertag trafen wir uns und fuhren unsere Verschleißteile mit dem eigenen Schlepper nach Hause. Ich meine, wir konnten dabei einen 8% niedrigeren Preis heraushandeln, na, und einen netten Vormittag hatten wir auch.

10. Saaten mit „Frühbucher-Rabatt“

Die Nutzung von „Frühbucher-Rabatten“ ist in der Landwirtschaft eine durchaus genutzte Variante, um die Kosten zu reduzieren. Die Landwirte, die ich hierzu befragt habe, sprechen zum einen davon, dass sie durch eine frühzeitige Bestellung der benötigten Saaten günstigere Kurse realisieren konnten. Andere Befragte nutzen auch Frühbucher-Rabatte beim Landtechnikhandel. Gerade im Bereich der Grünlandbewirtschaftung würden im späten Herbst Maschinen zu günstigen Konditionen angeboten. Auch hier kann durchaus signifikant gespart werden!

11. Lohnunternehmer um Skonto bitten

Falls Sie über einen genügend großen finanziellen Spielraum verfügen, Rechnungen des Lohnunternehmers oder auch des vorgelagerten Handels zu bezahlen, so sollten Sie dies bei Verhandlungen als Ass im Ärmel behalten. Dazu müssen Sie wissen, dass Lohnunternehmer und Landtechnikhändler ebenso wie der Landhandel auf beträchtlichen offenen Rechnungen ihrer Kunden sitzen. Umso größer ist die Dankbarkeit dieses Klientels, wenn deren Rechnungen pünktlich und vollständig bezahlt werden.

Beispiel: Ein Landwirt aus Niedersachsen hat sehr gute Erfahrungen gemacht, Geschäftspartner aus dem vorgelagerten Bereich und hier vor allem die Lohnunternehmer zu „üblichen und unüblichen Skonti“ zu bewegen, indem er mit einer unverzüglichen Bezahlung der Rechnung oder einer Begleichung direkt nach Abschluss der Tätigkeiten am Feldrand oder auf dem Hofgelände lockt.

Demgegenüber scheint dieser Hebel zur Realisierung günstiger Konditionen beim Landhandel kleiner zu sein als bei Lohnunternehmern. Dort, so heißt es, sei es eher üblich, dass Landwirte mit teils großen Summen von mehr als einer halben Mio. Euro in der Kreide stünden. Dies sei bei den meisten, wesentlich kleiner strukturierten Lohnunternehmen nicht machbar, so ein Berater.

12. Landvolk bietet Vergünstigungen beim Stromanbieter

Das niedersächsische Landvolk bietet seinen Mitgliedern Rabatte beim Einkauf von Strom. 2 Landwirte aus Weser-Ems berichten, dass sie diesen Rabatt nutzen.

Ob es auf dem freien Markt Anbieter gibt, die noch günstiger sind als das, was der niedersächsische Berufsstand herausgehandelt hat, müssen Sie im Einzelnen kalkulieren. Ich würde da auch auf die abzunehmenden Mengen schauen und auf die Laufzeiten. Dabei erwarte bzw. hoffe ich, dass das Landvolk ein gutes Auge bei der Wahl hatte und seinen Mitgliedern nur ein wirklich gutes und überschaubares Angebot herausgehandelt hat.

13. Autosondertarife über Berufsverband

Beim Einkauf von Pkw verweisen einige Landwirte auf Sondertarife, die Verbände und Vereine – Bauernverband, Maschinenringe usw. – mit den Anbietern vereinbart haben. Die Rabatte sind sehr interessant, ein Landwirt spricht von einem Nachlass von 25%. Man muss dabei aber im Hinterkopf behalten, dass es auf den freien Märkten durchaus auch Schnäppchen geben kann, die vielleicht noch lohnender sein könnten. Da denke ich z. B. an die Frage der Inzahlungnahme oder kostenlose Inspektionen usw. Es ist nicht immer nur der Einkaufspreis, der entscheidet.

14. Silofolie auf Vorrat gekauft

„Silofolie ist ja kein frisches Brot“, sagte mir eine Landwirtin aus Ostfriesland, „da kannst du dir einen Vorrat anlegen“. Ihr Landhändler wird sich freuen, wenn er statt mehrerer kleiner Aufträge lieber einen großen Kaufvertrag abschließen kann. Und da wird er eher bereit sein, die Ware ein wenig günstiger anzubieten. Und auch hier gilt, dass sich ein Kauf außerhalb der Saison oder vielleicht schon kurz nach Ende der Siliersaison oft eher rechnet.

Über den Autor: Dr. Uwe Scheper ist Berater und Agrarjournalist für nationale und internationale landwirtschaftliche Publikationen. Er ist Autor des Internetmagazins für Rinderhalter cattle.de.

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