Crowdfarming und solidarische Landwirtschaft: für alle ein Gewinn

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Crowdfarming

In Sachen Vertrieb haben Landwirte ständig neue Ideen. Statt Erzeugnisse für Centbeträge an Zwischenhändler zu vermarkten, erreichen immer mehr Betriebe über Patenschaften und Ernteanteile direkt den Endkunden. Das sorgt nicht nur für erhöhte Gewinnspannen, sondern bietet auch spannende neue Möglichkeiten.

Crowdfarming – das steckt dahinter

Die Bezeichnung Crowdfarming ist zusammengesetzt aus den englischen Wörtern “Crowd” für Menge oder Menschenmenge und “Farming”, was Landwirtschaft bedeutet. Dabei handelt es sich um eine Art der Schwarmfinanzierungen, wie sie im Netz vor allem für kreative Start-Ups bekannt sind. In diesem Fall geht es um Foodfunding (Lebensmittel-Finanzierung), bei der landwirtschaftliche Produkte unter finanzieller Beteiligung vieler Menschen hergestellt werden. Teilnehmen können interessierte Verbraucher über Patenschaften, den Kauf von Ernteanteilen oder Abonnements.

Vorreiter ist die Orangen-Finca in Spanien “Naranjas del Carmen”, wo Kunden Paten für einen Orangenbaum oder ein Bienenvolk werden können und die Rendite in Ernteanteilen erhalten. Den Begriff „Crowdfarming“ haben sich die Betreiber schützen lassen.

Bei der solidarischen Landwirtschaft (Solawi) decken Mitglieder für ein Jahr die Kosten eines bäuerlichen Betriebs und erhalten ihren Anteil an der gesamten Produktion. Diese können die Kunden wöchentlich abholen oder bekommen sie geliefert. Bei spezialisierten Betriebsausrichtungen kann die Verteilung der Ernte auch monatlich oder einmal im Jahr erfolgen. Im englischen Sprachraum ist das Konzept als „community supported agriculture“ (CAA), also „von der Gemeinschaft unterstützte Landwirtschaft“, bekannt und erfreut sich in den USA und Großbritannien wachsender Beliebtheit. Interessant ist diese Form des Foodfunding auch für Zusammenschlüsse von mehreren Betrieben, die so eine große Bandbreite an Lebensmitteln für ihre Kunden anbieten können.

Für diese Produkte und Betriebsarten lohnen sich Crowdfarming und Foodfunding

Ob und für welche Art der gemeinschaftlichen Finanzierung ein Betrieb für eine Schwarmfinanzierung geeignet ist, hängt stark von der Ausrichtung, der Struktur und dem Grad der Spezialisierung ab. Für die solidarische Landwirtschaft bieten sich traditionelle bäuerliche Betriebe mit Ackerbau, Gartenbau, Sonderkulturen und Tierhaltung an. Diese finden sich heutzutage oft im Biobereich. Wer stärker spezialisiert ist, kann Patenschaften oder Ernte-Aktien anbieten. Geeignete Produkte hierfür sind:

  • Obst, Saft und Gemüse
  • Honig und Bienenwachsprodukte
  • Nüsse und Kerne, Öle
  • Schafswolle und daraus gewonnene Produkte
  • Käse und Milchprodukte
  • Fleisch und Fleischerzeugnisse
  • Wein, Branntwein und Obstwein

Wie funktionieren Foodfunding und solidarische Landwirtschaft?

Crowdfarming und Foodfunding sind Schwarmfinanzierungen für die Lebensmittelproduktion. Dabei stellt ein Erzeuger einen bestimmten Ertrag in Aussicht und legt einen Preis pro Einheit fest. Dieser richtet sich nach den Produktionskosten sowie dem benötigten Einkommen des Landwirts. Zu dem vorher festgelegten Betrag können Verbraucher dann Ernteanteile, Abos oder Patenschaften erwerben. Ihre Anteile oder daraus hergestellte Produkte bekommen sie direkt nach der Ernte oder über das Jahr verteilt.

Viele Betriebe entscheiden sich außerdem, die Produktion ganz oder teilweise offen zu gestalten. Dazu ermöglichen sie Kunden und Interessenten Besuche auf dem Hof, veröffentlichen Beiträge über den Arbeitsalltag in den sozialen Medien und bieten sogar Möglichkeiten, mitzuarbeiten oder bei Entscheidungen mitzuwirken.

Grundprinzip ist die Produktion von Lebensmitteln auf Bedarf, die Erzeuger berücksichtigen möglichst die Nachfrage. So vermeiden sie Überproduktion, haben einen festen Abnahmevertrag mit dem Verbraucher, ein sicheres Einkommen und sind unabhängig von Zwischenhändlern. Durch monatliche oder jährliche Zahlungsmodelle sind die Betriebe liquide. Der Kunde erhält im Gegenzug transparent produzierte, frische Lebensmittel zu angemessenen Preisen direkt vom Erzeuger. Bei Versammlungen können Landwirt und Verbraucher gemeinsam über den Anbau in der nächsten Saison beraten und Strategien entwickeln. So bieten sich auch Möglichkeiten, alte Sorten anzubauen oder besondere Nutztierrassen einzusetzen. Dies ist vor allem für Menschen interessant, die bewusst einkaufen und die Herkunft ihrer Lebensmittel kennen möchten. Die Gemeinschaft aus Landwirt und Verbraucher kann marktunabhängig produzieren.

Wie erreichen Crowdfarming-Betriebe Ihre Kunden?

Die gemeinschaftliche Finanzierung von Agrarprodukten funktioniert nur, wenn ausreichend Menschen teilnehmen, um den Bedarf an finanziellen Mitteln eines Betriebes oder einer Betriebsgemeinschaft zu decken. Für Landwirte ist es deshalb wichtig, bereits in der Planungsphase einen großen potenziellen Kundenkreis zu erreichen und für das Projekt zu gewinnen.

  • Über Präsenz und Werbung in sozialen Medien können Betriebe genau definierte Zielgruppen erreichen und anwerben.
  • Auch über regionale Werbung lassen sich Kunden gewinnen. Beispielsweise durch Aushänge beim kooperierenden Fleischer, Marktstand, im Hofladen oder Bioladen.
  • Wer die Schwarmfinanzierung überregional gestalten möchte, betreibt dazu einen Onlineshop mit Produktversand.

Welche Arten von Landwirtschaft mit gemeinschaftlicher Beteiligung gibt es?

Bei Ertragsanteilen oder Öko-Aktien bekommen die teilnehmenden Kunden zu einem meist monatlich gezahlten, festen Betrag einen Anteil an der Ernte oder den produzierten Lebensmitteln des Betriebs. Beispiel hierfür sind Solawi und CSAs.

Patenschaften für Obstbäume, Tiere oder Bienenvölker funktionieren ähnlich wie Ertragsanteile, jedoch produzieren die Betriebe hier gezielter auf Nachfrage einzelner Kunden. Beispielsweise pflanzen Sonderkulturbetriebe jedes Jahr nur so viele neue Obstbäume, um den Bedarf neu hinzugewonnener Paten zu decken. Dieses Modell eignet sich sehr gut für stark spezialisierte Betriebe und lässt sich leicht mit einem überregionalen Online-Angebot kombinieren.

Für den Kauf von Genussgutscheinen erhalten Kunden nach der Produktion eine festgelegte Menge vom erzeugten Produkt. Die Gutscheine funktionieren gut im Einzelverkauf. Sie eignen sich beispielsweise für Wein, Honig, Öl, Käse oder Wurstprodukte.

Beim Tier-Leasing zahlt der Kunde einen Betrag für Aufzucht, Fütterung und Haltung eines Nutztiers über dessen gesamte Lebenszeit. Dafür bekommt er die daraus gewonnenen Erzeugnisse. Also Fleisch, Wurstwaren, Milchprodukte, Käse, Eier oder Wolle. Bei größeren Tieren können die Leasing-Anteile aufgeteilt werden.

Vorteile der gemeinschaftlichen Landwirtschaft

  • Umsetzung von Verbraucherwünschen und individuelle Betriebsphilosophien sorgen für eine verbesserte Wertigkeit landwirtschaftlicher Produkte.
  • Die Gewinnspanne für den Betrieb erhöht sich durch Direktvermarktung, dies gleicht niedrigere Erträge aus.
  • Verbraucher können direkten Kontakt zu Landwirten pflegen und sich so über Herkunft und Herstellungsprozesse informieren.
  • Landwirte können Kunden und Anteilseigner aktiv in den Produktionsprozess einbinden. Das stärkt die Kundenbindung. Es besteht die Möglichkeit, den Produktionsprozess nach und nach immer mehr den Verbraucherwünschen anzupassen.
  • Überproduktion und Lebensmittelverschwendung kommen bei Crowdfarming und Foodfunding sowie solidarischer Landwirtschaft nicht vor. Das sorgt für nachhaltigen Umgang mit Ressourcen.
  • Landwirte produzieren Nahrungsmittel nicht mehr als anonyme Supermarktware, sondern geben ihrem Produkt ein Gesicht.
  • Die Preise für Lebensmittel gleichen denen im Supermarkt oder Bioladen. Das macht die Kooperativen für alle Einkommensschichten interessant und zugänglich.

Nachteile der gemeinschaftlichen Landwirtschaft

  • Die Vermarktung erfordert erheblich mehr Zeit. Marketing, Kundenbindungsmaßnahmen sowie Einzelverkauf und Versand nehmen mehr Raum im Betriebsalltag ein.
  • Der Arbeitsaufwand erfordert zusätzliche Mitarbeiter und somit steigende Personalkosten.
  • Bei einem Modell, bei dem die Verbraucher ihre Ware auf dem Betrieb abholen, besteht erheblich höherer Personenverkehr auf dem Hof. Auch Infrastrukturen wie beispielsweise ein Ladenlokal, Verpackungsstationen und Parkplätze müssen die Betriebsleiter bereitstellen.
  • Der Landwirt ist abhängiger von Wünschen und Meinungen der Direktkunden.
  • Durch die individuelle Betrachtung und Betreuung der einzelnen Patenschaften sinkt in vielen Fällen der Ertrag pro Hektar.

Für wen sind Foodfunding-Projekte und solidarische Landwirtschaft interessant?

Die Schwarmfinanzierung bietet sich an, wenn Sie als Landwirt in die Direktvermarktung einsteigen wollen oder neue Vertriebswege dafür suchen. Auch für Betriebe, die in den nächsten Jahren neu anpflanzen wollen oder Tierbestände erneuern oder ausbauen wollen, jedoch nicht über ausreichend Liquidität verfügen, ist Foodfunding eine sinnvolle Alternative.

Für Varianten, bei denen Kunden ihre Ware am Hof selbst abholen, eignen sich Betriebe, die in der Nähe von Städten oder Ballungszentren liegen und über eine gute Verkehrsanbindung verfügen. Ländlicher gelegene Höfe geben die Waren besser über Verteilstationen in Kleinstädten in der Umgebung aus oder steigen in Onlinehandel und Versand ein.

Foodfunding und Crowdfarming sind kreative neue Wege, um unabhängig von der Lebensmittelindustrie zu arbeiten und gleichzeitig das Einkommen langfristig zu sichern. Die Nähe von Betrieb und Verbraucher fördert zudem die Wahrnehmung der bäuerlichen Landwirtschaft als verlässlicher, regionaler Lebensmittelproduzent in der Region.

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