Wann sich die Umstellung von konventioneller auf Ökolandwirtschaft für Ackerbauern lohnt

Urheber: Mikel Wohlschlegel | Fotolia
Ökologische Landwirtschaft

Als konventioneller Ackerbauer können Sie schon ziemlich ins Grübeln kommen, ob der einst so erfolgreich eingeschlagene Weg in den folgenden Jahren der richtige ist. Nicht nur die Nachfrage, auch die Preismechanismen haben sich deutlich zu Ihren Ungunsten verschoben. Und jetzt werden auch in der Politik noch die Rufe nach einer Veränderung der Betriebsprämie immer lauter. Alles Faktoren, die für eine Umstellung Ihres Hofs auf einen Ökobetrieb sprechen könnten. Wie Sie zur richtigen Entscheidung kommen und mit welchen Unsicherheiten Sie rechnen müssen, lesen Sie in diesem Beitrag.

Unbeeindruckt von der gesellschaftlichen Diskussion, dass die kontinuierlich steigende Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln auch ihre Nachteile mit sich bringt, greifen die Verbraucher weiter verstärkt nach Bioprodukten. Nur ein Aspekt, der die Preise für viele konventionell erzeugte Ackerfrüchte weiter in kaum rentable Bereiche drückt. Doch Achtung, lassen Sie sich nicht von den kurzfristig so viel höheren am Markt zu erzielenden Preisen blenden.

Übersicht: Welche Aspekte des ökologischen Landbaus Ihren Hof wirtschaftlicher machen und was gegen die Umstellung auf einen Ökobetrieb spricht

Vorteile Nachteile
weniger Kosten für Pflanzenschutzmittel höhere Personalkosten je Hektar, da auch deutlich mehr Arbeitsgänge zur Bewirtschaftung notwendig sind
Je nach Feldfrucht können Sie deutlich höhere Preise für Ihre Ernte erzielen. deutlich weniger Erträge je Hektar
deutlich weniger Diskussionen mit Nachbarn und Verbrauchern höhere Verwaltungskosten durch Zertifizierungsvorgaben und Dokumentationen
Zukünftig ist mit weiter verstärkten Restriktionen bei Pflanzen- und Gewässerschutz zu rechnen, wovon Sie als Ökobetrieb weniger
betroffen sind.
Die schlechtere Haltbarkeit der Produkte kann zu höheren Ausfällen führen.
Diskussionen um die Streichung der Flächenprämie Sie tragen ein deutlich erhöhtes Ertragsrisiko, da Sie aufgrund der streng einzuhaltenden Vorgaben auf jeglichen Einsatz von Pestiziden etc. verzichten
müssen. Und das auch dann, wenn dieser Einsatz die einzige Möglichkeit darstellt, die Vernichtung der Ernte zu verhindern. Auch die Qualität Ihrer Ernte kann deutlichen Schwankungen unterliegen.
Der durchschnittliche Gewinn plus Personalaufwand liegt deutlich über dem von konventionell wirtschaftenden Betrieben, was jedoch auch zu großen Teilen an den deutlich höheren Direktzahlungen je Hektar liegt. Es erwartet Sie eine teure Umstellungsphase. Neben möglicherweise zusätzlich notwendigen Investitionen müssen Sie zwar bereits in der Umstellungsphase die erhöhten Anforderungen erfüllen, dürfen die Produkte jedoch nur zu den – deutlich niedrigeren – Preisen für konventionelle Produkte veräußern.
attraktive Fördermöglichkeiten durch den Staat

Von der konventionellen zur Ökolandwirtschaft: Wie lange die Umstellungsphase dauert

  • 2 Jahre bei ein- oder überjährigen Kulturen (Getreide, Hackfrüchte, Feld- und Feingemüse) sowie bei Grünland und
  • 3 Jahre bei Dauerkulturen außer Grünland (Obst, Wein, Hopfen, Spargel).
Tipp: Insbesondere vor diesem Hintergrund rate ich dringend davon ab, auf den ökologischen Landbau umzustellen, wenn sich Ihr Hof bereits in einer angespannten wirtschaftlichen Lage befindet. Denn neben den notwendigen Liquiditätsreserven in der Umstellungsphase benötigen Sie auch für die höheren ertragswirtschaftlichen Risiken ein finanzielles Polster. Achtung! Auch die Ökoprämie erhalten Sie nicht direkt, wenn Sie mit der Umstellung beginnen, sondern erst rückwirkend etwa ein Jahr später. Beziehen Sie auch diesen Punkt in Ihre Liquiditätsplanung ein.

Mit diesen 8 Schritten minimieren Sie Ihre Risiken bei der Umstellung auf Ökolandwirtschaft

Es ist ein einschneidender Schritt. Nicht immer werden sich die hochgesteckten Erwartungen erfüllen. Und nicht immer verbessert eine Umstellung die wirtschaftliche Situation Ihres Hofs. Umso wichtiger, die Entscheidung nicht aus dem Bauch und aus kurzfristigen Überlegungen heraus zu treffen.

1. Schritt: Welche Ziele verfolgen Sie mit der Umstellung auf ökologische Landwirtschaft?

Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrer Familie, welche Ziele Sie durch die Umstellung erreichen möchten. Schreiben Sie diese auf und versuchen Sie, diese prozentual zu gewichten. So ergibt sich ein klares Bild, ob Ihre Familienmitglieder komplett hinter den Überlegungen stehen oder nur aufgrund der kurzfristig erhofften finanziellen Erleichterung mit einer Umstellung einverstanden sind. Unterschätzen Sie diesen Punkt nicht, er hat schon viele Umstellungen scheitern lassen.

Tipp: Auch wenn es attraktive Förderprogramme für den ökologischen Landbau gibt, es gibt auch viele – teils unverständliche – Restriktionen, die ökologisch handelnden Betrieben das Leben schwer machen. In vielen Fällen werden Sie z. B. mehr oder weniger tatenlos zusehen müssen, wie Ihre Ernte von Schädlingen zerstört wird. Nur wenn Sie nicht nur aus finanziellen Überlegungen, sondern auch aus ökologischer Überzeugung diesen Schritt wagen, lohnt es sich für Sie, das Risiko einzugehen.

2. Schritt: Bewerten Sie den Umstieg genau

Gehen Sie die Übersicht der Vor- und Nachteile durch und bewerten Sie die drohenden Risiken bzw. die potenziellen Chancen für Ihren Hof möglichst genau und quantifizieren Sie diese so exakt wie möglich.
Beispiel: Summieren Sie die voraussichtlich eingesparten Kosten z. B. für Pflanzenschutzmittel etc. auf. Überlegen Sie, welche Bereiche Ihrer Anbauplanung für Sie unveränderlich sind. Auf welchen Anbau möchten Sie auch als ökologisch zertifizierter Betrieb nicht verzichten? Gibt es eine Anbauplanung, die alle Ihre Determinanten und die ökologischen Anforderungen vereint?

3. Schritt: Gibt es Biobauern in Ihrem Netzwerk?

Schauen Sie sich in Ihrem persönlichen Netzwerk um. Wer hat bereits umgestellt, mit welchen Erfolgen? Schauen Sie sich auch die Höfe und Ackerflächen von zertifizierten Betrieben an. Entwickeln Sie ein Gefühl dafür, ob diese Form der Landwirtschaft für Sie und Ihre Familie wirklich eine Alternative ist.

4. Schritt: Planen sie Ihren Ökobetrieb gut

Haben Sie alle 3 Schritte erfolgreich durchlaufen und sich für die Umstellung entschieden, gehen Sie in die konkrete Planung. Da der Prozess so komplex ist und weitreichende Auswirkungen für Ihren Hof hat, sollten Sie unbedingt einen Fachberater hinzuziehen.

5. Schritt: Die EU-Öko-Kontrollstelle

Stellen Sie sicher, dass Sie keine unzulässigen Betriebsmittel mehr verwenden und melden Sie sich bei einer EU-Öko-Kontrollstelle an. Die in Deutschland zugelassenen Öko-Kontrollstellen finden Sie hier.

Förder-Tipp 1: Als konventionell wirtschaftender Landwirt können Sie sich – vor und während der Umstellung – zu allen Umstellungsfragen von einer bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) registrierten Beratungskraft informieren lassen. Die Beratungen (sowohl vor als auch einmal während der Umstellung) werden jeweils einmalig mit 50 % der Beratungskosten bis maximal 4.000 € gefördert.
Förder-Tipp 2: Alle Bundesländer stellen Fördermittel für die 2- bis 3-jährige Umstellungsphase und auch für die anschließende Fortsetzung der ökologischen Bewirtschaftung zur Verfügung. Doch Achtung! Sie müssen die Zuschüsse rechtzeitig vor der Umstellung beantragen. Wie lang die Fristen konkret sind, legt jedes Bundesland für sich fest.

Zu diesem Zeitpunkt kann es in vielen Fällen auch Sinn machen, die Mitgliedschaft in einem Öko-Anbauverband zu beantragen. Mit der Mitgliedschaft in einem Anbauverband können Sie sich bessere Vermarktungsmöglichkeiten und Vorteile bei der Preisgestaltung (z. B. durch Warenbündelung) verschaffen. Und auch die Vorteile, die solche Verbände als Netzwerk mit sich bringen, sollten Sie nicht unterschätzen. Sie können sich dort mit anderen Ökobetrieben austauschen.

6. Schritt: Die Umstellungsphase hin zur Ökolandwirtschaft

Mit dem Tag des Antrags startet die Umstellungsphase. Das heißt für Sie: Ab sofort müssen Sie die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau bzw. die Vorgaben des von Ihnen gewählten Anbauverbandes erfüllen. Im Gegenzug startet nun auch die 5-jährige Förderperiode und die entsprechende Auszahlung der Fördermittel. Achtung! Stellen Sie den Betrieb innerhalb dieses 5-Jahres-Zeitraums wieder auf den konventionellen Betrieb um, müssen Sie die erhaltenen Mittel zurückzahlen.

Tipp 1: Wählen Sie den Zeitpunkt für Ihre Anmeldung mit Bedacht. Und zwar so, dass dieser mit der Aussaat Ihrer wichtigsten Kulturen zusammenfällt. Sonst laufen Sie Gefahr, nicht alle Vorgaben im geforderten Umstellungszeitraum einzuhalten und so viel Geld zu verschenken. Denn dann verschiebt sich der Zeitpunkt, an dem Sie nun auch endlich die nach den strengen Vorgaben für Bioware angebauten Feldfrüchte zum besseren Biopreis verkaufen zu können.

7. Schritt: Die Betriebsbeschreibung

Erstellen Sie eine Betriebsbeschreibung. Als Grundlage für die spätere Kontrolle und Zertifizierung dient eine Betriebsbeschreibung, die Sie spätestens nach der Anmeldung anfertigen müssen. Zu diesem Erhebungsbogen gehören im Allgemeinen ein Flächenverzeichnis, Belege und Aufzeichnungen über Zu- und Verkäufe und Beschreibungen der Produktions- und Verarbeitungsprozesse. Achtung! Sie müssen die Beschreibung für spätere Kontrollen laufend aktuell halten.

8. Schritt: Prüfer kontrollieren Ihren Ökobetrieb

Rechnen Sie mit regelmäßigen Kontrollen während der Umstellungsphase. Bei diesen sogenannten Erstkontrollen wird geprüft, ob die Betriebsbeschreibung sowie die weiteren eingereichten Unterlagen den Vorgaben der ökologischen Landwirtschaft entsprechen. Findet der Prüfer Mängel, müssen Sie diese bis zum Ende der Umstellungsphase beheben. Auch nach der Umstellung wird die Kontrollstelle Ihren Biohof einmal jährlich kontrollieren.

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